Kassenpatienten warten weiterhin monatelang auf Facharzttermine
Jeder vierte gesetzlich Versicherte hat auf seinen letzten Facharzttermin zuletzt länger als einen Monat gewartet. Das ergab eine repräsentative Befragung von rund 3.500 Kassenpatienten im Auftrag des GKV-Spitzenverbands, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet. Jeder Zehnte musste sich demnach sogar länger als drei Monate gedulden.
Rund jeder Dritte habe die Wartezeit auf den Facharzt als zu lang empfunden. Für fast ebenso viele sei es schwierig gewesen, überhaupt einen Termin zu bekommen. Menschen mit schlechterem Gesundheitszustand hätten dies häufiger berichtet. Bei den Hausärzten sieht die Lage demnach entspannter aus: Die Mehrheit wurde am selben oder nächsten Tag behandelt. Im Vergleich zu 2019 haben sich die Werte laut der Umfrage kaum verändert.
Der GKV-Spitzenverband fordert angesichts der Umfrageergebnisse eine Reform. "Die Befragung zeigt, dass Patientinnen und Patienten sich eine ambulante Versorgung wünschen, die mit unserer modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar ist", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis der Zeitung. Sie schlägt ein gesetzlich vorgeschriebenes Onlineportal vor, über das alle Praxen einen festgelegten Anteil ihrer Termine vergeben müssten. Zudem dürfe bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden, ob jemand gesetzlich oder privat versichert sei.
Koalition will "Termingarantie" umsetzen
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Einrichtung eines sogenannten Primärarztsystems vereinbart. Patienten müssten dann zunächst vom Hausarzt eine Überweisung erhalten, bevor sie einen Facharzt aufsuchen können. Im Gegenzug verspricht der Koalitionsvertrag eine "Termingarantie". Das System soll zudem Doppeluntersuchungen vermeiden.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erwägt zudem die Einführung einer Facharztgebühr in bestimmten Fällen. Diese könne anfallen, "wenn jemand ohne Überweisung direkt zum Facharzt geht und sich nicht an den vorgegebenen Pfad hält", sagte Warken Ende November im Gespräch mit der Welt am Sonntag. Eine pauschale Kontaktgebühr oder die Wiedereinführung einer quartalsweisen Praxisgebühr halte sie nicht für sinnvoll. Bei einem Branchentreffen hatte Warken diese kurz zuvor noch in Betracht gezogen.