Kassenärzte widersprechen Merz bei telefonischer Krankschreibung
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat die Debatte über telefonische Krankschreibungen als "Phantom-Diskussion" bezeichnet. Die Probleme des vergleichsweise hohen Krankenstandes in Deutschland seien nicht durch die relativ geringe Zahl telefonischer Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen bedingt, teilte der KV-Vorsitzende Frank Bergmann in Düsseldorf mit.
Nach Angaben des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung machen telefonische Krankschreibungen bundesweit lediglich 0,9 Prozent aller Fälle aus. Die Daten stammen vom Herbst 2025.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am vergangenen Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand kritisiert: Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf drei Wochen Krankschreibung. Merz führte das auch auf die Möglichkeit zurück, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, die während der Coronapandemie geschaffen worden war. Nach Merz’ Äußerungen kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Montag eine Überprüfung an.
"Strukturreformen statt Symboldebatten"
Bergmann verteidigte das Instrument als funktionierend für persönlich bekannte Patientinnen und Patienten sowie chronisch Erkrankte. Zudem seien die Regeln nach der Coronapandemie verschärft worden: Eine telefonische Krankschreibung sei nur zulässig, wenn die Praxis die erkrankte Person kenne und selbst keine Videosprechstunde anbiete.
Ein Ende der Krankschreibung per Telefon würde "im Ergebnis am Krankenstand nichts ändern, wohl aber die Praxen künftig wieder mehr belasten", sagte Bergmann. Um den Krankenstand zu senken, brauche es "Strukturreformen statt Symboldebatten".
Auch der Hausärzteverband warnte die Bundesregierung vor einer Abschaffung. "Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt", sagte der Verbandsvorsitzende Markus Beier dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Wer die telefonische Krankschreibung abschaffe, trage die Verantwortung dafür, dass sich Patientinnen und Patienten ohne Not in die Praxen schleppen müssten. Beier sprach von einem "Arbeitgebermärchen".