EU-Behörde warnt vor Schadstoff in Babynahrung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat einen neuen Richtwert für den Giftstoff Cereulid in Babynahrung festgelegt. Zuvor hatte die Europäische Kommission die Efsa um eine Einschätzung gebeten, wie gefährlich der Stoff für Säuglinge ist. Die Behörde mit Sitz im italienischen Parma reagierte mit einer zügigen Risikobewertung und legte erstmals einen klaren Sicherheitsrichtwert speziell für Babys fest.

In mehreren europäischen Ländern gab es zuvor Rückrufe von Babynahrung. So nahm der französische Lebensmittelhersteller Danone in Deutschland mehrere Chargen seiner ‌Babynahrung der Marke Aptamil aus dem Handel. In dem Produkt könne Cereulid enthalten sein, teilte das Unternehmen mit. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden würden drei Chargen zurückgerufen, teilte Danone mit: Aptamil Pronutra Pre, 1,2 Kilogramm, mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 19. November 2026, Aptamil Pronutra 1 DE, 800 Gramm, mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 10. November 2026 sowie Aptamil Profutura Pre D, 800 Gramm, mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 20. April 2027.

Richtwert soll Rückrufe einfacher machen

In Frankreich zog die Marke Popote zwei Produktchargen zurück, der Hersteller Vitagermine drei, nachdem das französische Landwirtschafts- und Ernährungsministerium die Grenzwerte für Cereulid halbiert hatte. Zuvor rief auch Lactalis aus Frankreich Babymilchprodukte in zahlreichen Ländern zurück. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé mehrere Säuglingsnahrungsprodukte vorsorglich vom Markt genommen. Teilweise wurden die Rückrufe von den Konzernen damit begründet, dass die Produkte Cereulid enthalten. In anderen Fällen wurden sie als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet.

Nach Efsa-Angaben gibt es derzeit in mehreren Ländern weltweit Rückrufe von Babynahrungsprodukten. Auf Grundlage des nun festgelegten Richtwerts sollen Behörden in der EU künftig schneller und einheitlicher entscheiden können, wann ein Rückruf notwendig ist.

Klage gegen Behörden und Unternehmen in Frankreich

Nestlé räumte vergangene Woche ein, erst am 10. Dezember die ersten Rückrufe gestartet zu haben, nachdem bereits Ende November Cereulid in einigen Produkten entdeckt worden war. Damit habe man sich an die Vorschriften gehalten, teilte das Unternehmen mit. In Frankreich reichten betroffene Familien sowie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch inzwischen Klage ein. Sie werfen den betroffenen Unternehmen und Behörden vor, zu spät reagiert zu haben. Multinationale Konzerne hätten "Produkte in Umlauf gebracht, die die Gesundheit von Babys gefährden", schrieb Foodwatch.

Auch in Deutschland haben sich laut Foodwatch zahlreiche Eltern gemeldet, deren Kinder nach dem Verzehr von Flaschenmilch Verdauungsstörungen hatten. "Anstatt besorgte Eltern schnell und umfassend zu warnen, räumten Unternehmen und Behörden die verunreinigten Produkte oft still und heimlich aus den Regalen", kritisierte die Organisation.

Zurückgerufene Produkte nicht weiter verwenden

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin können bestimmte Bakterien der Bacillus-cereus-Gruppe Sporen bilden, die bei niedrigem Gehalt unproblematisch sind und in vielen Lebensmitteln vorkommen. Keimen die Sporen jedoch aus, können sie das Gift Cereulid bilden. Dieses kann 30 Minuten bis sechs Stunden nach der Einnahme plötzliche Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen verursachen.

Junge Säuglinge reagieren deutlich empfindlicher auf Giftstoffe als Erwachsene. Eltern sollten zurückgerufene Produkte deshalb nicht weiter verwenden. Zeigen Babys nach dem Verzehr Symptome – wie Erbrechen oder Durchfall –, raten Fachleute dringend zu einem Arztbesuch.