Nachteulen sind launischer: Und anfälliger für bipolare Züge
Wer lieber bis in die Nacht wacht als früh aufzustehen, ist möglicherweise reizbarer, launischer und schlechter in der Lage, die eigenen Emotionen zu kontrollieren. Das legt eine neue Studie nahe, die beim Europäischen Psychiaterkongress in Prag vorgestellt wurde.

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Die Forscher der Universität Padua und des Nationalen Rekrutierungszentrums der italienischen Armee befragten 2031 Erwachsene, die während der Pandemie in Covid-19-Impfzentren rekrutiert worden waren.
Mithilfe standardisierter Fragebögen erfassten sie den Chronotyp der Teilnehmenden – also ob sie eher Morgen- oder Abendtypen sind – sowie ihr affektives Temperament, ihre Emotionsregulation und Anzeichen einer bipolaren Störung.
Das Ergebnis: Knapp 23 Prozent der Befragten waren Nachteulen, etwa gleich viele Frühaufsteher, der Rest ohne klare Tendenz. Wer abends aktiver ist, zeigte mit rund 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit depressive, ängstliche und gereizte Symptome. Außerdem wiesen Nachteulen häufiger sogenannte zyklothyme Züge auf – ein charakteristisches Merkmal bipolarer Störungen – sowie eine stärkere emotionale Dysregulation.
„Diese Ergebnisse unterstreichen, wie relevant der Chronotyp bei der Beurteilung von Stimmungssymptomen ist“, sagte Andrea Fiorillo, Präsident der Europäischen Psychiatrischen Vereinigung. Die Schlaf-Wach-Präferenzen sollten künftig stärker in die klinische Diagnostik einfließen.
Studienleiter Giancarlo Pontoni betonte, der Zusammenhang zwischen Abendchronotyp und bipolarer Anfälligkeit zeige sich selbst in der Allgemeinbevölkerung, also unabhängig von einer psychiatrischen Diagnose.
Dass Nachteulen es schwerer haben, ist nicht neu: Eine Studie der Universität Warschau aus dem Jahr 2021 zeigte bereits, dass Frühaufsteher glücklicher sind. Vermutlich, weil sie sich besser in die sozialen Rhythmen des Alltags einfügen und mehr Unterstützung aus ihrem Umfeld erfahren. Nachtaktive Menschen hingegen werden im schlimmsten Fall als faul oder unzuverlässig wahrgenommen, was sie zusätzlich isoliert.