Gründer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt: Berliner Entertainment-Legende Holger Klotzbach ist tot
Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag ist der Kabarettist, Theatergründer- und Direktor Holger Klotzbach gestorben. Das teilt das Tipi am Kanzleramt in einer Pressemitteilung mit.
Geboren in Duisburg studierte er zunächst auf Lehramt. Weil er als „verfassungsfeindlich“ eingestuft wurde, traf ihn der „Radikalenerlass“ und musst sich einen anderen Beruf suchen. Wie er oft betonte war das sein großes Glück: Er wandte sich zunächst dem Zirkusleben zu und beteiligte sich dann an der Gründung des Zirkus Roncalli , des Schwarzen Cafés und des Tempodroms in Berlin.

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In den achtizger Jahren war er Mitglied des Kabaretts Die 3 Tornados, bevor er begann, hinter den Kulissen zu arbeiten. So gründete Klotzbach 1992 mit seinem damaligen Partner Lutz Deisinger die Bar jeder Vernunft, zehn Jahre später das Tipi am Kanzleramt.
„Wir wollten einen Ort schaffen, an dem die Künstler sich wohl fühlen. Wo es gefüllte Obstschalen gibt und eine Atmosphäre, in der es allen Spaß macht, zu arbeiten“, erinnerte sich Klotzbach in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel an die Anfangszeit der Bar jeder Vernunft.
Das gelang der kleinen Bühne in Charlottenburg so gut, dass sie bald zu einer wichtigen Adresse für neue Talente wurde. Georgette Dee, Tim Fischer und Cora Frost wurden durch die Bar jeder Vernunft bekannt. Auch die Geschwister Pfister, Malediva oder Gayle Tufts wurden hier entdeckt und groß.
Mit einem All-Star-Ensemble angeführt von den Geschwistern Pfister nimmt das Tipi am Kanzleramt an diesem Samstag Paul Linckes Operette „Frau Luna“ wieder auf. Die burleske Mondfahrt wird nun vom Tod Holger Klotzbachs überschattet. Er starb am Freitag in Berlin. (nal)