Hass-Spiralen im Saarland-„Tatort“: Kann ein Ort böse sein?
Als der Unternehmer Emil Feidt ermordet aufgefunden wird, führt die Spur das Saarbrücker Ermittlerteam nach Hohenweiler, den Heimatort von Kommissarin Baumann, ein Dorf an der französischen Grenze, das in Hass erstarrt zu sein scheint: „Tatort: Das Böse in Dir“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).
Es ist der erste große Einsatz für Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen), die im vierköpfigen Saarländer Kommissariat um Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer) bislang nicht auffällig wurde und nun, in ihrer alten Heimat, die Hauptlast der Ermittlungen trägt.

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Baumann hatte Hohenweiler vor 30 Jahren hinter sich gelassen. Schnell wird ihr und dem Team klar: Der Mord an Emil Feidt könnte mit dem ungeklärten Tod von dessen Tochter Becky zusammenhängen, die vor fünf Jahren im Fluss ertrank. War es damals ein Unfall – oder hat sie Claire Louis, die für Becky viel mehr als nur beste Freundin war, getötet?
Ein Liebespaar, ein Dorf, eine Straße, eine Schenke, zwei Parteien, eine alte Familienfehde zwischen Feidts und Louis‘, wie bei Shakespeares verfeindeten Adelsfamilien Capulet und Montague. Der „Tatort“ erzählt mit viel Rückblenden eine moderne Romeo-und-Julia-Variante, mit tragischem Ausgang.
Gut, wenn man sich im Kleinen etwas anschauen und daraus Schlüsse ziehen kann für das große Ganze.
„Tatort“-Regisseurin Luzie Loose auf die Frage, ob eine Hass-Spirale wie die in diesem Krimi enden kann.
Baumann steckt da tiefer drin, als ihr lieb ist. Schürk und Hölzer haben genug damit zu tun, sich auf die privaten Verwicklungen ihrer Kollegin und die explosive Atmosphäre im Dorf und ihre Bewohner einzulassen.
Das Problem mit der horizontalen Erzählweise
Ein Abgrund aus Schuld, Rache, Misstrauen und unterdrückten Wahrheiten, wobei auch der Dorfwirt mitmischt. Und über allem die hehre Frage: Ist das Böse wirklich in einem Einzelnen zu finden – oder hat es längst Besitz von ganz Hohenweiler ergriffen? Kann ein Ort böse sein?
Eine Frage, auf die die Kommissarin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) in diesem „Tatort“ nur schwerlich eine Antwort finden kann: Sie hat offenbar „Stubenarrest“, muss das Büro hüten und hat psychisch einiges aufzuarbeiten. Bei dem Ermittler-Background bleibt vieles im Dunkeln.
Das ist auch das einzige Manko an diesem leidlich spannenden „Tatort“ mit vielen Emotionen, inneren Konflikten und klassischem Krimi-Showdown: Für eine horizontale Erzählweise, wie sie zum Beispiel das Dortmunder Team um Kommissar Faber etabliert hat, kommt die Saarland-Ausgabe mit nur einer Ausgabe im Jahr zu selten.
Man würde sich gerne mehr auf das durchaus markante, gegensätzliche Ermittlerquartett um Leo Hölzer einlassen.