Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson gibt Entwarnung: Das Maxim Gorki Theater knackt sein Sparschwein
Da braut sich wohl etwas zusammen. Streit um die Werkstätten, ein heftiges Defizit und in der nächsten Spielzeit eine neue Intendanz mit einem jetzt schon umstrittenen Konzept: Das Maxim Gorki Theater scheint in eine Schieflage zu rutschen. So sah es in den letzten Tagen und Wochen aus. Wilde Gerüchte machten die Runde, Meldungen klangen bedrohlich.
Schwarze Null am Jahresende
Doch Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hat an diesem Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses „Entwarnung“ gegeben. So formuliert sie es selbst. Zwar sei etwas spät im vergangenen Jahr ein erhöhter Finanzbedarf festgestellt worden. Aber das lasse sich mit den allgemeinen Kürzungen erklären. Und da das Gorki Theater über Rücklagen in Höhe von zwei Millionen Euro verfüge, seien die künstlerischen Projekte gesichert und man könne von einer schwarzen Null am Jahresende ausgehen.

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Künstlerisch steht das Gorki sehr gut da. Die Praxis eines postmigrantischen Theaters im Zentrum der Hauptstadt hat sich bewährt. Die Bühne hat in den dreizehn Jahren unter der Intendantin Shermin Langhoff nicht nur ein klares eigenes Profil entwickelt, sondern auch Maßstäbe gesetzt. Um zu diesem Urteil zu kommen, muss man längst nicht mit allem einverstanden sein, was sich dort auf dem Spielplan findet. Denn biedere Angebote gibt es anderswo reichlich.
Schwieriger Neustart
Shermin Langhoff hört nach dieser Saison auf. Sie hat Großes erreicht, die Platzauslastung lag 2025 bei knapp 95 Prozent. Ihr Führungsstil war aber auch ein Thema. Senatorin Wedl-Wilson zeigt sich zuversichtlich, dass das Haus am 1. August in einem „gesunden Zustand“ an Langhoffs Nachfolgerin Çağla Ilk übergeben werden könne.
Die kommende Intendantin wird kritisch betrachtet, da sie bisher eher in der Bildenden Kunst aktiv war, weniger im Theater. 2023 war sie Kuratorin des deutschen Pavillons der Venedig-Biennale und in der Leitung der Kunsthalle Baden-Baden. Am Gorki hat sie beim interdisziplinären Berliner Herbstsalon mitgewirkt. Çağla Ilk wurde vom damaligen Kultursenator Joe Chialo berufen, der im Mai vergangenen Jahres zurücktrat.
Klage gegen den Senat
Die Aufregung um das Maxim Gorki Theater zeigt, wie nervös die Szene ist. Wie soll es kulturpolitisch weitergehen? Wie werden demnächst Fehlbeträge ausgeglichen, wenn keine Rücklagen mehr vorhanden sind? Auch in anderen Häusern rettet man sich über die Zeit und blickt bang auf die nächsten Runden.
Zu den strukturellen Problemen, die nicht nur das Gorki belasten, gehört die Werkstättenfrage. Der Personalrat des Hauses sowie der Hauptpersonalrat des Landes Berlin klagen beim Landesverwaltungsgericht gegen die Kultursenatorin. Die Kulturverwaltung lässt derzeit prüfen, ob die Werkstätten der landeseigenen Bühnen aus Kostengründen zusammengelegt werden sollen. In dieser Frage seien die Personalvertretungen nicht ordnungsgemäß eingebunden worden, heißt es in der Klage. Wedl-Wilson widerspricht dieser Darstellung.
© dpa/Jörg Carstensen
Mit der Evaluierung beauftragt ist das Beratungsunternehmen Actori mit Hauptsitz in München, das sich auf den Kulturbereich spezialisiert hat. Der Senat will Spareffekte erreichen. Dazu soll bis zum Sommer ein Gutachten vorliegen für die Theaterwerkstätten und mögliche Synergien. Matthias Lilienthal, designierter Intendant der Volksbühne, hält davon wenig.
Auch sein Haus wäre von einer Zusammenlegung betroffen. Für Lilienthal sind die traditionsreichen Werkstätten der Volksbühne „das Paradies auf Erden“, er schwärmt vom Engagement und der Kreativität der dort Arbeitenden. Und er hat starke Zweifel, dass ein neu zu schaffender Großbetrieb für die landeseigenen Sprechtheater Volksbühne, Maxim Gorki, Theater an der Parkaue und Deutsches Theater günstiger arbeiten würde. Eine Zusammenarbeit mit dem Gorki kann er sich aber künftig vorstellen.
Allerdings wird sich da so schnell nichts bewegen. Im September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Wer danach die Regierungsgeschäfte übernehmen kann, wer die Kulturpolitik verantwortet, ist nach den Umfragen derzeit nicht absehbar. Aus verschiedenen Fraktionen aber ist zu hören, dass es im kommenden Herbst dann wieder um den Haushalt und mögliche neue Sparmaßnahmen geht. Die Aufregung um das Maxim Gorki Theater und seine Stabilität wirkt jetzt nur wie ein Vorspiel.