Soundcheck-Award-Verleihung: Emma-Jean Thackray in Berlin geehrt
„I’m ready, I’m ready, I’m ready“, singt Emma-Jean Thackray. Die britische Musikerin steht allein mit ihrer halbakustischen Gibson-Gitarre auf der Bühne des Radio-eins-Studios im Bikini-Haus – doch dank Loopestation und vier Effektpedalen klingt sie beim Finale ihres Songs „Maybe Nowhere“ wie eine kleine Band.
Auf diese Weise hat Thackray, die als Jazztrompeterin bekannt wurde, auch ihr Album „Weirdo“ aufgenommen, von dem der Song stammt. Jedes Instrument darauf hat sie selbst eingespielt, produziert und gemischt hat sie die Platte ebenfalls allein. Ungefähr ein Jahr hat es gedauert, bis alles fertig war, erzählt sie im Gespräch mit den Moderatoren Torsten Groß und Andreas Müller. Die beiden haben ihr gerade den Soundcheck Award für das beste Album des Jahres 2025 verliehen. Vergeben wird er von Radio eins und dem Tagesspiegel.
Emma-Jean Thackray ist eigens aus London angereist, um ihn entgegenzunehmen und zwei Lieder zu spielen. „Ich war in einer schwierigen Phase meines Lebens, als ich das Album aufgenommen habe“, berichtet sie. Deshalb habe sie sich völlig zurückgezogen, ganz auf sich konzentriert. Eingespielt hat sie „Weirdo“, das ihre Jazzwurzeln mit Funk, Soul und Hip-Hop verbindet, in ihrem vollgestellten Gästezimmer.

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Textlich ist es geprägt von der Trauer um ihren Partner, der vor einigen Jahren plötzlich starb, sowie von ihrer Außenseiterinnenerfahrung, die sie als Mensch mit Autismus und ADHS macht. Weil sie oft als Spinnerin bezeichnet worden ist, hat sie sich das Wort kurzerhand angeeignet und zum Plattentitel gemacht. „Why, why you always got to, got to make it weird?/ Why, why you always got to be so different?/ You don’t belong“, singt sie im Titelstück.
Wie toll das Album klingt und wie sehr es goovt, bringt ihre Soloperformance im Studio auch beim Song „Save Me“ bestens zum Ausdruck. Im Publikum wippen die Füße und nicken die Köpfe.
Über den Preis, ein eigens vom New Yorker Künstler Otto Steininger für sie angefertigtes Plakat, freut sich die Musikerin sehr. Es variiert die Pastelltöne und Motive des „Weirdo“-Albumcovers, auf dem die Musikerin in einer Badewanne liegend abgebildet ist. Auf deren Rand steht ein Toaster. Ob der eingesteckt war, fragt Moderator Andreas Müller. „Das bleibt mein Geheimnis“, antwortet Emma-Jean Thackray.
© Jochen Saupe/Radio eins
Gern spricht sie aber über ihre Liebe zu Miles Davis, dessen Musik die 1989 in Leeds geborene Musikerin, mit 13 Jahren zufällig entdeckte und von der sie sofort begeistert war. „Er hat mir den Weg in eine neue kreative Welt gezeigt“, erinnert sie sich. Nach Gehör begann sie, seine Lieder auf der Trompete nachzuspielen – und fand auf den Spuren des Jazzgroßmeisters zu ihrem eigenen Sound.
Mit dem Soundcheck Award für „Weirdo“ wäre Davis sicher einverstanden gewesen. Thackray weiß noch nicht, wo sie ihn aufhängen wird. Vielleicht ist im Gästezimmer ja noch ein bisschen Platz ...
Verliehen wird der Soundcheck Award seit 2009. Qualifiziert sind alle Alben, die in der freitags auf Radio eins ausgestrahlten Sendung „Soundcheck“ die Höchstwertung vier Mal Hit erhalten. Im Jahr 2025 waren das 28 Werke, aus denen eine 50-köpfige Jury aus Musikjournalisten und -journalistinnen und zunächst eine Shortlist mit vier Titeln auswählte.
Neben Thackrays „Weirdo“ waren das diesmal „Never Enough“ von Turnstile („Never Enough“), „Essex Honey“ von Blood Orange sowie „Schwarze Magie“ der Hamburger Band Die Heiterkeit. Anschließend wählte ein Jurygremium von Radio eins und Tagesspiegel das Gewinner-Album.
Im vergangenen Jahr ist der Berliner Rapper Apsilon für das Album „Haut wie Pelz“ mit dem Preis ausgezeichnet worden. Weitere Preisträger*innen sind The Black Keys, Neil Young, Tocotronic, Bilderbuch, James Blake und Tristan Brusch.