Ukraine kündigt Gespräche mit den USA am Samstag an

Zweistellige Minusgrade, Stromausfälle und eiskalte Wohnungen: Kiew erlebt den härtesten Winter seit Kriegsbeginn.

Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine und die internationale Sicherheitspolitik im Liveticker:

20:26 Uhr – Selenskyj: Luftabwehr-Lieferungen reichen nicht aus

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die Lieferungen von Luftabwehrsystemen und ⁠Raketen durch die Verbündeten als unzureichend. Zudem warnt er vor neuen massiven russischen Angriffen. Es sei entscheidend, dass die Partner die Bitten der Ukraine um zusätzliche Lieferungen hörten, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache.

20:00 Uhr – Ukraine kündigt Gespräche mit USA für Samstag an

Die Ukraine hat für diesen Samstag Gespräche in den USA über die „zukünftige Sicherheitsarchitektur“ und die „langfristige ökonomische Entwicklung“ des osteuropäischen Landes angekündigt. Dabei solle an Abkommen über Sicherheitsgarantien und zum „wirtschaftlichen Aufblühen der Ukraine“ mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet bis zu 690 Milliarden Euro gearbeitet werden, schrieb die ukrainische Botschafterin in Washington, Olha Stefanischyna, auf Facebook.

18:30 Uhr – Laschet für direkte Verhandlungen mit Russland

Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet spricht sich für direkte Verhandlungen zur Ukraine zwischen europäischen Staaten und Russland aus. „Wenn Europa souverän sein will, muss es seine eigenen Positionen auch selbst vertreten“, sagte Laschet der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. „Genau deshalb war der Vorstoß von Präsident Emmanuel Macron richtig“, fügte er mit Blick auf entsprechende Forderungen des französischen Staatschefs hinzu.

17:55 Uhr – Schulen in Kiew geschlossen, Beleuchtung gedimmt

Nach den massiven russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine werden in der Hauptstadt Kiew bis Anfang Februar sämtliche Schulen geschlossen. Dies gab Bürgermeister Vitali Klitschko am Freitag im Onlinedienst Telegram bekannt. Die Schließung werde am Montag beginnen und bis 1. Februar andauern. Die Behörden der Hauptstadt gaben zudem bekannt, die Straßenbeleuchtung auf ein Fünftel zu dimmen und sämtliche dekorative Beleuchtung abzuschalten.

17:11 Uhr – Selenskyj: Verhandlungsteam unterwegs in die USA

Ukrainische Unterhändler sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj unterwegs in die USA. Das ukrainische Team arbeite „trotz allem“ aktiv mit Vertretern von US-Präsident Donald Trump, teilte Selenskyj mit. In diesen Tagen seien Treffen geplant. Der US-Präsident hatte in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt die Einschätzung geäußert, dass er Selenskyj für ein größeres Hindernis auf dem Weg zu Frieden hält als Kremlchef Wladimir Putin.

15:51 Uhr – Pistorius verteidigt deutsches Vorgehen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Deutschlands Einsatz für die Wahrung der internationalen Ordnung gegen Kritik verteidigt. „Die letzten Jahre waren für die regelbasierte Ordnung keine guten Jahre“, sagte er im Bundestag. Sie stehe „vor einer Zerreißprobe“. Deutschland gehe dabei „als Schrittmacher voran und stärkt die europäische Handlungsfähigkeit und leistet einen wesentlichen Beitrag zur kollektiven Verteidigung und Abschreckung“, fuhr er fort.

14:50 Uhr – Luftabwehrsysteme konnten nicht abwehren

Einige der von den westlichen Verbündeten an die Ukraine gelieferten Luftabwehrsysteme konnten die jüngsten russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes nach Angaben von Präsident Selenskyj wegen eines Munitionsmangels nicht abwehren. „Bis heute Morgen hatten wir mehrere Systeme ohne Raketen“, erklärte Selenskyj bei einer Pressekonferenz am Freitag. „Heute kann ich das offen sagen, denn heute habe ich diese Raketen erhalten“, fügte Selenskyj hinzu.

14:40 Uhr – Tschechien schickt Ukraine Kampfflugzeuge

Die ⁠Ukraine erhält von Tschechien in Kürze Kampfflugzeuge zur Drohnenabwehr. Dies kündigt der tschechische Präsident Petr Pavel bei einem Besuch in Kiew an. Zudem Tschechien die Lieferung von Frühwarnsystemen in Aussicht.

14:30 Uhr – Kreml offen für Gespräche mit Europäern

Der Kreml sieht in europäischen Aussagen zu einem Dialog mit Russland eine positive Entwicklung. Moskau habe entsprechende Äußerungen insbesondere aus Paris, Rom und sogar Berlin festgestellt, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Das entspreche mit der Moskauer Sichtweise. Europäische Politiker hatten im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zuletzt Gespräche mit Russland ins Spiel gebracht.

10:21 Uhr – Kuleba sieht keine Aussicht auf Feuerpause

Der frühere ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sieht kurzfristig keine Aussicht auf eine Feuerpause im Krieg mit Russland. Es gebe "keine Chance auf einen Waffenstillstand vor dem Ende dieses Winters", sagt er dem Sender Welt TV. Die Chancen auf eine Feuerpause bis zum Jahresende seien zudem sehr gering. ‍Der Krieg werde erst enden, wenn der russische Präsident ‍Wladimir Putin eine unabhängige und souveräne Ukraine akzeptiere.

Scharfe Kritik äußert Kuleba an den aktuellen Diskussionen in Europa über mögliche Gespräche mit Moskau. „Was gerade passiert, ist ja jetzt schon erniedrigend – seit einem guten Monat wird diskutiert: Vielleicht sollten wir unsere Stimme erheben, vielleicht sollten wir mit Putin reden. Entweder man macht Dinge – oder man lässt es.“

Zugleich stellte Kuleba die Rolle Europas in möglichen Verhandlungen grundsätzlich infrage. „Putin nimmt die Europäer nicht ernst, er verachtet sie. Er wird nur mit den Amerikanern sprechen. Und da die Ansichten von Präsident Trump und Putin sich sehr ähneln, was die Europäer angeht, betrachtet keiner von beiden Gespräche mit Europa als einen ernsthaften Weg.“

08:30 Uhr – Inspekteur der Marine sieht Kriegsgefahr „konkreter denn je“

Der Inspekteur der Marine, Jan Christian Kaack, skizziert in einem Grundsatzpapier die Herausforderungen und Lage für das kommende Jahr. Darin heißt es, Deutschland blicke „konkreter denn je auf die Gefahr eines Krieges“. Russland abzuschrecken, mit physischer Stärke, „mentaler Resilienz“ und „mit dem unbedingten Willen zur Durchsetzung“, sei die Forderung der Zeit. „Gegner nutzen die Schwachstellen in rechtlichen Grauzonen geschickt aus und operieren entlang der Eskalationsschwelle“, schreibt der Vizeadmiral, und verweist auf provokatives russisches Verhalten auf See, Angriffe auf kritische Unterwasserinfrastruktur und Drohnensichtungen mit unbekannter Herkunft.

Er spricht zudem von Defiziten der Marine: Diese sei „personell unterbesetzt und trotz positiver Entwicklungen noch zu klein“. Man stehe am Anfang eines Erneuerungsprozesses, bei dem in innovative Fähigkeiten investiert und der Aufwuchs gestaltet werden müsse. Die derzeitige Struktur sei zu „kopflastig“ und „kompliziert“ – man werde diese effektiver machen.

Sein zentraler Appell: „Die Glaubwürdigkeit unserer Taten bestimmt unsere Fähigkeit zur Abschreckung: Harmlosigkeit ist keine Strategie zur Konfliktvermeidung. Sollte Abschreckung scheitern, werden wir kämpfen müssen. Wann und wo das erfolgen wird, entscheidet der Gegner. Aber wie gut wir darauf vorbereitet sind, das entscheiden wir.“

Hinweis: In einer früheren Version des Livetickers haben wir an dieser Stelle ein Foto platziert, das nicht Vizeadmiral Kaack zeigt.

05:02 Uhr – Kiew friert: Der härteste Winter seit Kriegsbeginn

Kurz vor Beginn des fünften Kriegsjahres durchlebt die Ukraine den schwersten Winter seit dem russischen Einmarsch. Wegen der massiven russischen Angriffe mit Drohnen und Raketen auf Energieanlagen haben Hunderttausende weder Strom noch Heizung – und das bei Schneefall, Frost und nächtlichen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Betroffen sind die Großstädte Charkiw, Dnipro, Krywyj Rih und Odessa. Aktuell ist die Lage jedoch in der Hauptstadt Kiew am schlimmsten. Die Dreimillionenstadt dürfte bei weiteren russischen Attacken auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern.

01:20 Uhr – Großbritannien kündigt neue Nothilfe für Ukraine an

Großbritannien kündigt eine neue Nothilfe für die Ukraine in Höhe von ⁠20 Millionen Pfund (etwa ⁠23 Millionen Euro) an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach anhaltenden Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Landes den Notstand ausgerufen. Die zusätzlichen Mittel sollen laut Großbritannien unter ‍anderem in die Reparatur, den Wiederaufbau ‍und den Schutz des ukrainischen Stromnetzes fließen. Zudem ⁠soll damit die Stromversorgung in Häusern, Krankenhäusern und Schulen während des strengen ‍Winters aufrechterhalten werden. Mit ⁠dem neuen ‌Hilfspaket ‌erhöht sich die ‌britische Unterstützung für den ukrainischen Energiesektor seit dem Einmarsch Russlands auf ‍über ⁠470 Millionen Pfund (etwa 541 Millionen Euro).

Donnerstag, 15. Januar:

17:50 Uhr – Russische Rakete trifft Schwarzmeer-Hafen Tschornomorsk

Durch einen russischen Raketenangriff auf den ukrainischen Schwarzmeerhafen Tschornomorsk ist nach offiziellen Angaben ein Seemann auf einem Frachter unter der Flagge Maltas verletzt worden. Der Angriff habe außerdem drei Container beschädigt, die verladen werden sollten, teilt der ukrainische Minister für Regionalentwicklung, Olexij Kuleba, auf Telegram mit.

Russland und die Ukraine haben in den vergangenen Wochen häufiger Schiffe im Schwarzen Meer beschossen. In den ukrainischen Häfen trifft dies vor allem den Export von Getreide und anderen Gütern per Schiff. Die ukrainischen Angriffe richteten sich gegen leere Tanker, die zum Beladen mit Öl den russischen Hafen Noworossijsk ansteuerten. So soll der russische Ölexport gestoppt werden, mit dem der Kreml seine Kriegskasse füllt.

15:39 Uhr – Charkiw meldet Zerstörung großer Energieanlage

Russische Streitkräfte zerstören in der zweitgrößten ukrainischen Stadt ‍Charkiw nach Angaben des Bürgermeisters eine große Energieanlage. Rettungskräfte seien rund um die Uhr im Einsatz, schreibt Ihor Terechow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram.

14:45 Uhr – Ab Februar niedrigere Preisgrenze für russisches Öl

Schon bald gilt eine niedrigere Preisobergrenze für russisches Öl. Der sogenannte Ölpreisdeckel wird zum 1. Februar nach einem im vergangenen Sommer beschlossenen neuen Mechanismus auf 44,10 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) abgesenkt, wie die EU-Kommission mitteilte. Derzeit liegt die Grenze bei 47,60 US-Dollar pro 159-Liter-Fass.

Der Preisdeckel für russisches Öl gilt für den Verkauf von russischem Öl in Drittstaaten wie Indien, China oder die Türkei und wurde 2022 von der EU gemeinsam mit den USA und Japan, Kanada und Großbritannien eingeführt. Die Obergrenze ist eine der Sanktionen, mit denen der Westen auf den von Moskau begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine reagiert.

13:29 Uhr – Moskau hofft auf neues Treffen mit US-Unterhändlern

Der Kreml hofft auf einen baldigen Besuch der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner für Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Der Dialog mit den Amerikanern laufe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. „Sobald die Termine abgestimmt sind, findet dieser Besuch, hoffen wir, statt.“

Es sei wichtig, dass auch die russische Seite ihre Sicht auf diese Beratungen darlege. Zwischen den Amerikanern, Ukrainern und Europäern habe es viele Gespräche gegeben.

12:45 Uhr – Kreml: „Entscheidungsspielraum“ der Ukraine wird „immer geringer“

Der Ukraine gehen dem Kreml zufolge die Möglichkeiten zur Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden Krieges mit Russland aus. „Die Lage verschlechtert sich für das Kiewer Regime von Tag zu Tag“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. Der „Entscheidungsspielraum“ der Ukraine werde „immer geringer“.

Peskow äußerte sich nach wiederholten russischen Angriffen auf die ukrainische Energie-Infrastruktur. In Richtung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagte der Kreml-Sprecher, es sei „an der Zeit“, dass dieser „Verantwortung übernimmt und die richtige Entscheidung trifft“.

12:33 Uhr – Polens Regierungschef rügt Trumps Äußerung zu Selenskyj

Polens Regierungschef Donald Tusk kritisiert die Äußerung von US-Präsident Donald Trump, wonach der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj ein Hindernis für den Abschluss einer Friedensvereinbarung sei.

Nicht Selenskyj, sondern Russland sei es gewesen, dass den von den USA vorbereiteten Friedensplan abgelehnt habe, schrieb Tusk auf X. „Die einzige Antwort Russlands waren weitere Raketenangriffe auf ukrainische Städte.“ Die einzige Lösung sei mehr Druck auf Russland. „Das wisst ihr alle.“

12:28 Uhr – Neue Stromausfälle in der Ukraine durch Luftangriffe

In der Ukraine haben russische Luftangriffe in der Nacht weitere großflächige Stromausfälle verursacht. In den Gebieten Charkiw und Schytomir seien Verbraucher ohne Strom, teilte das Energieministerium in Kiew mit. „Notfall- und Wiederherstellungsarbeiten werden überall dort durchgeführt, wo es die Sicherheitslage zulässt“, hieß es. Im Gebiet Dnipropetrowsk ordnete der staatliche Versorger Ukrenergo wegen früherer Schäden am Netz Notabschaltungen an.

Drohneneinschläge wurden auch aus Lwiw und Kiew und aus frontnahen Städten wie Slowjansk und Kramatorsk gemeldet. Die neuen Stromausfälle belegen, wie geschwächt die Energieversorgung der Ukraine mittlerweile ist. Denn der russische Angriff war mit 82 Drohnen, wie die ukrainische Luftwaffe zählte, einer der schwächsten der vergangenen Wochen.

10:20 Uhr – Türkei verlegt Kampfjets nach Estland und Rumänien

Die Türkei plant im Rahmen der Nato-Luftraumüberwachung die Entsendung von Kampfjets nach Estland und Rumänien. Von August bis November 2026 sollen türkische Jets in Estland stationiert werden, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilt. Daran ⁠schließe sich bis März 2027 ⁠ein Einsatz in Rumänien an. In den vergangenen Jahren hatte die Türkei bereits ähnliche Missionen in Polen und Rumänien übernommen. Die Nato verstärkt ihre Luftverteidigung, nachdem es nach Angaben des Bündnisses wiederholt zu Verletzungen des Luftraums durch Russland gekommen ist. Die Türkei richtet im Juli den nächsten ‍Nato-Gipfel aus.

08:39 Uhr – Russland weist einen britischen ‍Diplomaten wegen Spionagevorwürfen aus

„Es wurde erneut betont, dass Moskau die Tätigkeiten nicht deklarierter britischer Geheimdienstoffiziere in ⁠Russland nicht tolerieren werde“, teilt das Außenministerium bezüglich der Ausweisung mit. Der Inlandsgeheimdienst FSB habe den Mann enttarnt. Er warf ihm vor, verdeckt ‍als Spion gearbeitet ⁠zu haben. ‌Der Diplomat müsse das ‌Land binnen zwei ‌Wochen verlassen.

06:35 Uhr - Moskau meldet Geländegewinne

Russland hat nach Aussage von Generalstabschef Waleri ​Gerassimow in der ersten Januarhälfte mehr als ‍300 Quadratkilometer ⁠Territorium in der Ukraine eingenommen. Im vergangenen Jahr habe Russland demnach 6640 ‍Quadratkilometer erobert.