Ugandas Oppositionsführer offenbar mit Armeehubschrauber verschleppt

Einen Tag nach der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in Uganda ist der Oppositionsführer Bobi Wine nach Angaben seiner Partei von einem Armeehubschrauber gegen seinen Willen an einen unbekannten Ort gebracht worden. Dieser sei auf dem Grundstück des Oppositionsführers gelandet, anschließend sei Wine damit "mit Gewalt an einen unbekannten Ort verschleppt" worden, schrieb die Oppositionspartei National Unity Platform (NUP) auf X.

Zuvor war die Residenz von Wine nach Angaben der NUP von Militär und Polizei umstellt worden, die Partei sprach von einem "Hausarrest". Die Stromversorgung zur Residenz sei unterbrochen und Wines Sicherheitspersonal angegriffen worden, um gewaltsam in das Haus einzudringen, hieß es weiter. 

Ein Polizeisprecher dementierte das laut dem Sender NBS. Er sagte, Wine stehe "nicht unter Hausarrest, wir sorgen lediglich für seine Sicherheit".

Weiter gab die NUP an, mindestens zehn Menschen seien getötet worden. Die Wahlkampfhelfer seien von Soldaten erschossen worden, sagte der Abgeordnete Muwanga Kivumbi der Nachrichtenagentur AFP. Soldaten hätten sein Haus gestürmt und die Wahlkampfhelfer in der Garage erschossen.

Präsident unterdrückt Opposition und kontrolliert Sicherheitsorgane

Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. In dem ostafrikanischen Land mit rund 50 Millionen Einwohnern ist bereits seit Dienstagabend das Internet gesperrt und der Zugang zu sozialen Medien blockiert. Zudem verbot die Regierung Journalistinnen und Journalisten, über eventuelle Proteste und Unruhen zu berichten.

Der seit 40 Jahren regierende Präsident Yoweri Museveni strebt bei den Wahlen eine siebte Amtszeit an. Der 81-Jährige kontrolliert die Staats- und Sicherheitsorgane und unterdrückt die Opposition. Wine ist sein größter Konkurrent. Der Oppositionspolitiker ist insbesondere bei jungen Leuten beliebt, die die Mehrheit der Bevölkerung stellen. 

Die Wahlen waren am Donnerstag von technischen Problemen begleitet worden. In vielen Wahllokalen startete der Urnengang mit mehrstündiger Verspätung. Die Opposition beschuldigte die Regierung der Wahlfälschung. Als ein Grund für die Verzögerungen wurde angegeben, biometrische Geräte zur Feststellung der Identität der Wähler hätten nicht funktioniert. Außerdem seien Wahlurnen nicht geliefert worden. Die staatliche Wahlkommission verkündete am Freitag nach Auszählung von etwa der Hälfte der abgegebenen Stimmen, Museveni liege mit rund 74 Prozent vorn, gefolgt von Wine mit etwa 22 Prozent der Stimmen. Das endgültige Ergebnis wird am Samstag erwartet.