Tausende flüchten vor möglicher Offensive gegen Kurden in Syrien

Nach Angaben der syrischen Behörden sind tausende Menschen aus dem östlichen Umland von Aleppo geflohen. Sie wollen den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der überwiegend kurdischen Miliz SDF (Syrian Democratic Forces) entgehen. Betroffen sind vor allem die Orte Deir Hafir und Maskana, aus denen rund 4.000 Menschen geflüchtet sein sollen.

In Aleppo, einer der größten Städte Syriens, kam es in der vergangenen Woche zu Kämpfen in Stadtteilen, die bisher von Kurden kontrolliert wurden. Der Konflikt entstand, weil die syrische Übergangsregierung die bislang weitgehend selbstständigen kurdischen Verwaltungen in die staatliche Ordnung eingliedern wollte. Die Kurden widersetzten sich diesem Schritt, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führte. Letztlich gelang es der Übergangsregierung, die kurdischen Stadtviertel militärisch unter ihre Kontrolle zu bringen.

Derweil sind Vertreter der kurdischen Streitkräfte mit Vertretern der US-geführten Koalition zum Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammengekommen. Die Gespräche sollten zur Entschärfung der anhaltenden Spannungen beitragen, sagte ein Sprecher der SDF. Wie aus syrischen Armeekreisen verlautet, traf danach auch eine Delegation des syrischen Verteidigungsministeriums in dem Gebiet ein, um mit den Anführern der SDF zu verhandeln.

Vor dem Treffen hatten die syrischen Regierungstruppen Verstärkung in der Region zusammengezogen. Die Armee rief die SDF auf, das Gebiet östlich von Aleppo bis hin zum Euphrat zu räumen. Die Zivilbevölkerung sollte die Gegend bis zum Nachmittag verlassen. 

USA wollen Eskalation verhindern

Zuvor hatte ein US-Militärs den Ort Deir Hafer erreicht, aus dem viele Bewohner fliehen wollten. Ob er dort bleiben würde, war aber unklar. Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, schrieb auf der Plattform X, Washington sei in Kontakt mit allen Parteien und versuche, eine Eskalation zu verhindern. 

Die Vereinigten Staaten hatten mit den SDF jahrelang gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammengearbeitet, nach dem Machtwechsel in Damaskus näherten sie sich aber auch der neuen Regierung unter Ex-Rebellenführer Ahmed al-Scharaa an.

Abkommen auf Eis

Die Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Scharaa wirft der SDF vor, Assad-Anhänger und Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in ihren Reihen zu dulden. Die Kurden wiederum misstrauen den Versprechen des früheren Anführers der Islamistengruppe HTS, Al-Scharaa, ihre Rechte zu gewährleisten. Zudem warnen sie vor einem Wiedererstarken des IS.

Die Führung in Damaskus unter Al-Scharaa unterzeichnete schließlich im März ein Abkommen mit den SDF, die weite Teile des Nordostens Syriens kontrollieren. Demnach sollten die SDF bis Ende 2025 in die syrische Armee integriert werden. Uneins sind sich beide Seiten jedoch über die konkrete Umsetzung. Als die Gespräche in eine Sackgasse gerieten, kam es zu den Gefechten in Aleppo.

Al-Scharaa wird derweil am Montag in Berlin zu einem ersten Besuch in der Bundesrepublik erwartet. Dabei trifft er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Zu den Hauptthemen dürfte die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat gehören.