„Bundeswehr stand bereit“ – Pistorius weist Trumps Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz scharf zurück
Donald Trump hat mit umstrittenen Äußerungen zu Nato-Truppen in Afghanistan für Aufruhr in Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Polen gesorgt. In einem Interview mit dem Sender Fox News behauptete der US-Präsident erneut, dass die USA das Verteidigungsbündnis nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar nach dem 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch „ein wenig“ zurückgeblieben, „etwas abseits der Frontlinien“.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) widerspricht den Äußerungen nun entschieden und sich hinter die Bundeswehrsoldaten gestellt. „Unsere Bundeswehr stand bereit, als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben“, erklärte er am Samstag über den Whatsapp-Kanal seines Ministeriums. „Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar.“
Für den Einsatz habe Deutschland einen hohen Preis bezahlt, bekräftigte Pistorius, 59 Soldaten und drei Polizisten seien dabei getötet worden. Viele Verletzte litten bis heute, ebenso wie deren Angehörige. „Ich verspreche ihnen: Wir werden den Einsatz und Mut unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in Ehren halten“, fuhr Pistorius fort. „Ganz egal, von wem das in Frage gestellt wird.“
Auch Dänemark hatte entsetzt auf Trumps Äußerungen reagiert. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bezeichnete es als „inakzeptabel, dass der US-Präsident das Engagement der verbündeten Soldaten in Afghanistan in Frage stellt“. Dänemark sei im internationalen Afghanistan-Einsatz eines der Nato-Länder mit den höchsten Verlusten gewesen, betonte die Regierungschefin. Auch der dänische Veteranenverband erklärte, ihm fehlten die Worte.
Der britische Premierminister Keir Starmer kritisierte die Äußerungen als „beleidigend“ und „entsetzlich“. Es sei nicht überraschend, „dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben“, sagte Starmer. Wenn er selbst sich derart falsch ausgedrückt hätte, würde er sich entschuldigen.
Auch die Mutter eines britischen Veteranen äußerte sich empört. Sie sagte der Nachrichtenagentur PA zufolge, Trumps Äußerungen seien „so beleidigend, so schwer zu ertragen“.
Ein Sprecher des Premierministers rügte, der US-Präsident habe die Rolle der Nato-Truppen „zu Unrecht“ heruntergespielt. 457 Briten hätten bei den Einsätzen ihr Leben verloren. „Ihr Opfer und das anderer Nato-Streitkräfte wurde im Dienst der kollektiven Sicherheit und als Reaktion auf einen Angriff auf unseren Verbündeten gebracht.“ Auch Verteidigungsminister John Healey erinnerte den Angaben nach an den Einsatz britischer Truppen.
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Natovertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
Kritik auch aus Polen
Auch im EU- und Nato-Land Polen stießen Trumps Worte auf Widerspruch. Für die Verteidigung der internationalen Sicherheit hätten polnische Soldaten bei Einsätzen in Afghanistan und im Irak ihr Leben gelassen, sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz. „Dieses Opfer wird nie vergessen werden und darf nicht herabgewürdigt werden.“
Im Sender TVN24 erinnerte General Roman Polko daran, dass 43 polnische Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der polnischen Armee ihr Leben im Afghanistan-Einsatz gelassen hätten. Weitere 22 polnische Soldaten fielen im Irak. „Und natürlich waren wir in der vordersten Linie“, sagte Polko, der sowohl in Afghanistan als auch im Irak im Einsatz war. „Aber die in der zweiten Linie – Ärzte, Logistiker – sind nicht weniger wichtig.“
Trump werde es nicht gelingen, die Geschichte zu verfälschen. „Liebe Veteranen, lasst euch nicht beleidigen von einem Mann, der sich wegen eines Fersensporns vor dem Wehrdienst gedrückt hat“, sagte Polko in Anspielung auf Trumps Verhalten während des Vietnam-Kriegs.