Karl-Josef Laumann kritisiert Wortwahl der CDU in Teilzeitdebatte
Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat mehr Fingerspitzengefühl in der Debatte über Sozialreformen gefordert. Der CDU-Vizevorsitzende kritisierte den jüngsten Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel seiner Partei. "Man sollte bei dem Thema aufpassen, wie man formuliert", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Zuvor hatten Parteikollegen über "Lifestyle-Teilzeit" im Land gesprochen. "Ich würde mir bei der Diskussion von dem einen oder anderen manchmal ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl wünschen", sagte Laumann. "Die Deutschen sind nicht faul. Die Deutschen sind nach wie vor sehr fleißig."
Der CDU-Wirtschaftsflügel fordert in einem Antrag für den Bundesparteitag Mitte Februar, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit zu kippen und Teilzeit nur noch für Fälle wie Kinderbetreuung zu ermöglichen. Hintergrund ist die Behauptung, dass Menschen aus Bequemlichkeit ihre Arbeitsstunden reduzierten.
"Das ist auch unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft"
Laumann sagte, der Antrag werde in dieser Form nicht durchkommen. "Wir haben andere Probleme zu lösen, als über den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu diskutieren. Die Menschen sollten die Freiheit haben, solche Entscheidungen für sich zu treffen."
Vielleicht gebe es Fälle, in denen Menschen wegen ihrer individuellen Lebensgestaltung in Teilzeit gingen, aber das sei kein Massenphänomen, sagte Laumann: "Viele Menschen reduzieren ihre Arbeitsstunden, um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen. Und dafür habe ich nicht 'nur' Verständnis. Das ist auch unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft."
Außerdem würden mehr als 85 Prozent der Pflegebedürftigen nicht in Heimen versorgt, sondern zu Hause, sagte er weiter. Am Ende sei das Klima am Arbeitsplatz entscheidend dafür, mehr Menschen dazu zu bringen, mehr zu arbeiten. "Wenn Beschäftigte zufrieden sind, sind sie meist auch seltener krank", sagte Laumann. Es gelte der Grundsatz "Ohne Fleiß kein Preis. Wohlstand muss erarbeitet werden. Wir haben in Deutschland auch eine sehr hohe Erwerbsquote", sagte Laumann. "Aber die Menschen wollen auch Zeit für ihre Familie haben. Das finde ich nachvollziehbar."