Mehr als 70 Tote bei Angriffen in pakistanischer Region Belutschistan
In der Provinz Belutschistan im Südwesten Pakistans sind bei Angriffen von Kämpfern der ethnischen Gruppe der Belutschen nach Behördenangaben mindestens 73 Menschen getötet worden. Laut den Sicherheitsbehörden in Quetta handelte es sich um "koordinierte Angriffe" in mehreren Bezirken. Unter den Toten seien zehn Sicherheitskräfte, fünf Zivilisten und 58 Kämpfer.
Nach Angaben eines hochrangigen Sicherheitsbeamten kam es insbesondere in den Bezirken Quetta, Pasni, Mastung, Nushki und Gwadar zu "Schusswaffen- und Selbstmordanschlägen". Insgesamt hätten Angriffe an mehr als zwölf Orten stattgefunden. Dabei soll auch der stellvertretende Verwaltungschef des Bezirks Nushki entführt worden sein. In Teilen der Provinz sei die Lage nach wie vor nicht vollständig unter Kontrolle, berichteten Polizeibeamte der Nachrichtenagentur AFP.
Indien soll Separatisten unterstützt haben
Unterdessen teilte ein Armeevertreter mit, dass die Angriffe zwar koordiniert, jedoch schlecht ausgeführt worden seien. Sie seien "aufgrund mangelhafter Planung" und wegen wirksamer Sicherheitsmaßnahmen gescheitert. Premierminister Shehbaz Sharif lobte den Einsatz der Sicherheitskräfte. "Gemeinsam mit der gesamten Nation bin ich stolz auf unsere Märtyrer", sagte Sharif.
Zugleich warf er dem Nachbarland Indien vor, die für die Anschläge verantwortlichen Separatisten unterstützt zu haben. "Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus fortsetzen, bis er vollständig aus dem Land getilgt ist", kündigte der Premierminister an. Ein Sicherheitsbeamter machte hingegen Afghanistan für eine Unterstützung der Angreifer verantwortlich. "Während der gesamten Operation standen die Terroristen Berichten zufolge in ständigem Kontakt mit ihren Hintermännern in Afghanistan", sagte er.
Separatisten haben Angriffe verstärkt
Auch die Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA) äußerte sich zu den Angriffen und bekannte sich in einer an die Nachrichtenagentur AFP übermittelten Erklärung zu der Tat. Die militante Separatistengruppe teilte mit, dass die Angriffe sich gegen militärische Einrichtungen sowie gegen Polizei- und Zivilverwaltungsbeamte gerichtet hätten.
Die rohstoffreiche Provinz Belutschistan an der Grenze zu Afghanistan und Iran wird immer wieder von Gewalt erschüttert. In den vergangenen Jahren haben die Separatisten zudem ihre Angriffe aus benachbarten Provinzen heraus intensiviert. Dabei nehmen sie auch ausländische Energieunternehmen ins Visier, denen sie vorwerfen, die Bodenschätze der Provinz auszubeuten. Die Armee geht seither gegen die separatistischen Aufständischen vor. Erst am Freitag teilte das Militär mit, bei zwei Einsätzen in der Provinz 41 Aufständische getötet zu haben.
Angst vor Einsatz gegen Islamisten löst Massenflucht aus
Unterdessen kommt es auch im Nordwesten Pakistans, in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, zu Spannungen zwischen der Regierung und separatistischen Gruppen. Zuletzt flohen zehntausende Menschen aus dem Berggebiet des Tirah-Tals, das als Rückzugsort der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) gilt. Die militant-islamistische Gruppierung strebt eine fundamentalistische Gesellschaftsordnung an und verübt immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte in der Region.
Anwohner berichteten, dass in Moscheen per Lautsprecher vor einer möglichen Militäroffensive gegen die Islamisten gewarnt worden sei. Familien seien aufgefordert worden, das an der Grenze zu Afghanistan gelegene Tal zu verlassen. Die Regierung in Islamabad wies entsprechende Pläne zurück. Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach von einer üblichen saisonalen Abwanderung infolge des harten Winters.
Dem widersprachen sowohl Betroffene als auch ein Vertreter des Militärs. Ein mit den Vorgängen vertrauter Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Umsiedlung sei das Ergebnis monatelanger Beratungen mit Stammesältesten gewesen.