Waffenimporte europäischer Staaten haben sich mehr als verdreifacht
Europäische Staaten haben ihre Waffenimporte in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht und sind damit die weltweit größte Empfängerregion geworden. Das teilte das Stockholmer Sipri-Institut für Sicherheits- und Friedensforschung mit. Das Gesamtvolumen der Importe zwischen 2021 und 2025 liegt demnach 210 Prozent über dem Wert der Jahre von 2016 bis 2020. Insgesamt seien in den vergangenen fünf Jahren 33 Prozent der weltweit gehandelten schweren Waffen in europäische Staaten geliefert worden.
Hinter der Ukraine waren in den vergangenen fünf Jahren Polen und Großbritannien die größten Waffenimporteure in Europa. Mit 48 Prozent stammte laut Sipri fast die Hälfte der gelieferten Waffen aus den USA. Mit großem Abstand folgen Deutschland (7,1 Prozent) und Frankreich (6,2 Prozent).
Den deutlichen Anstieg der Nachfrage in Europa begründete das Stockholmer Institut mit der wahrgenommenen Bedrohung durch Russland. Zusätzlich verstärkt werde diese durch Unsicherheiten hinsichtlich der Unterstützung der europäischen Staaten durch die USA.
Kampfjets und Flugabwehrsysteme kommen vor allem aus den USA
"Die Lieferungen an die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste Faktor", sagte Sipri-Forscher Mathew George. Aber auch die meisten anderen europäischen Staaten hätten begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, "um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der wahrgenommenen wachsenden Bedrohung durch Russland zu stärken".
"Obwohl europäische Unternehmen ihre Waffenproduktion hochgefahren und die neuen Investitionshilfen der Europäischen Union für die Rüstungsindustrie der Mitgliedsstaaten zu einer Reihe von Aufträgen innerhalb der EU geführt haben, importierten die europäischen Staaten auch 2021 bis 2025 weiterhin US-Waffen", sagte Sipri-Forscherin Katarina Djokic. Vor allem Kampfflugzeuge und Langstrecken-Flugabwehrsysteme würden aus den USA bezogen.
Die Waffenimporte der 29 europäischen Nato-Staaten sind laut dem Bericht
in den vergangenen fünf Jahren um 143 Prozent gestiegen. Hier stammten
58 Prozent der Lieferungen aus den USA.
Deutschland wird viertgrößter Waffenexporteur
Auch weltweit verzeichneten die Friedensforscher einen Anstieg der Einfuhren schwerer Waffen. Hier liege das Gesamtvolumen von 2021 bis 2025 9,2 Prozent über dem Vergleichszeitraum. Dabei handele es sich um den größten Anstieg seit dem Zeitraum von 2011 bis 2015. Maßgeblich sind auch hier die Lieferungen in die Ukraine: 9,7 Prozent aller Waffentransfers weltweit gingen in den vergangenen fünf Jahren in das von Russland angegriffene Land. Außer in Europa und Amerika gingen die Waffenimporte dagegen in allen anderen Regionen der Welt in den vergangenen fünf Jahren zurück.
Der weltweit größte Lieferant von Waffen bleiben die USA. Ihre Gesamtexporte stiegen um 27 Prozent. Frankreich landete vor Russland auf Platz zwei. Deutschland hat laut Sipri China in der Liste der größten Waffenlieferanten überholt und steht nun auf Platz vier. 5,7 Prozent der weltweit in den vergangenen fünf Jahren gelieferten Waffen stammen demnach aus der Bundesrepublik. Rund ein Viertel der deutschen Waffen, 24 Prozent, gingen in die Ukraine, 17 Prozent in andere europäische Staaten. Verglichen mit 2024 gingen die Genehmigungen für Lieferungen in die Ukraine nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums jedoch um drei Viertel zurück.
Der Sipri-Report zu den weltweiten Waffentransfers erscheint jährlich und erfasst schwere Waffen und Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge, Raketen, Artillerie oder auch Antriebssysteme für Militärflugzeuge und Kampfschiffe. Kleinwaffen fallen nicht darunter.