Chameneis Sohn Modschtaba zum neuen Obersten Führer Irans ernannt
Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, wird dessen Nachfolger und damit Anführer des iranischen Regimes. Das Gremium für die Ernennung hatte bereits am Vormittag mitgeteilt, sich auf einen Nachfolger Ali Chameneis geeinigt zu haben – hatte den Namen des neuen Anführers zunächst aber nicht genannt.
Der Expertenrat habe "trotz der akuten Kriegssituation und der direkten Drohungen der Feinde" keinen Augenblick gezögert, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Irna veröffentlichten Mitteilung des Gremiums. Die Entscheidung sei nach "sorgfältigen und umfassenden Prüfungen" erfolgt.
Modschtaba Chamenei hat bereits enge Verbindungen zu der einflussreichen Revolutionsgarde (IRGC). Insidern zufolge hat er sich als "Torwächter" seines Vaters eine Schlüsselposition im politischen und sicherheitspolitischen Gefüge erarbeitet, ohne je ein formelles Regierungsamt bekleidet zu haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. "Er hat einen starken Rückhalt innerhalb der IRGC, insbesondere bei der jüngeren, radikalen Generation", sagte demnach Kasra Aarabi von der US-Organisation United Against Nuclear Iran. Modschtaba Chamenei agiere bereits wie ein "Mini-Oberhaupt".
Oberster Führer hat höchste Machtposition inne
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hielt Modschtaba Chamenei sich während des Angriffs am vergangenen Samstag, bei dem neben seinem Vater weitere Familienmitglieder und Führungskräfte getötet wurden, nicht in Teheran auf. Das geistliche Oberhaupt ist die höchste politische und religiöse Autorität im Iran. Der sogenannte Oberste Führer hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort.
Seine Macht beruht gemäß der Staatsideologie auf der sogenannten Velajat-e Faghih, der Herrschaft eines islamischen Rechtsgelehrten. Der Oberste Führer ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt Schlüsselpositionen in Justiz und Militär und kontrolliert mächtige Gremien. Eine festgelegte Amtszeit gibt es nicht. Kritiker sehen in der Institution eine kaum kontrollierbare Machtposition. Seit dem Sturz des Schahs und der Ausrufung der Islamischen Republik 1979 hat es nur zwei geistliche Oberhäupter im Iran gegeben: Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini und Ajatollah Ali Chamenei.
Trump hatte Chameneis Nachfolger gedroht
Vor der offiziellen Bekanntgabe hatte US-Präsident Donald Trump dem zu dem Zeitpunkt noch unbekannten künftigen Obersten Führer des Iran gedroht. Ohne die Zustimmung der US-Regierung werde sich der nächste Oberste Führer des Iran "nicht lange halten", sagte Trump dem US-Sender ABC News.
Beobachterinnen und Beobachter vermuten, dass Modschtaba Chamenei den
Kurs seines getöteten Vaters fortsetzen wird. Der 56-Jährige gilt als
vertrauter Akteur staatlicher Unterdrückung, analysierte die Denkfabrik
Atlantic Council.
Modschtaba Chamenei wurde 1969 als zweiter Sohn des Ende Februar getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei in der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad geboren. In seiner Kindheit erlebte er den Sturz der Monarchie. Das Ereignis mündete 1979 in der Islamischen Revolution. Mit 18 Jahren trat er in den letzten Jahren des Iran-Irak-Kriegs der Revolutionsgarde bei. Sein Vater, damals noch Präsident, hatte sich bereits im iranischen Machtzentrum positioniert. Modschtaba Chamenei entschied sich schließlich für den Weg der schiitischen Theologie und studierte bei konservativen Gelehrten in Ghom, dem spirituellen Zentrum des Iran.
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