Boris Palmer will kein Ministeramt in Baden-Württemberg übernehmen
Boris Palmer (parteilos) will nach dem Landtagswahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg Oberbürgermeister von Tübingen bleiben. Das habe er dem Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir mitgeteilt, sagte Palmer der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten.
Zuvor hatte es Spekulationen darüber gegeben, ob Palmer Minister in einer künftigen Landesregierung in Baden-Württemberg werden würde. Özdemir, der als Vertreter des pragmatischen Realoflügels der Grünen gilt, hatte im Wahlkampf demonstrativ die Nähe zu dem früheren Grünenpolitiker gesucht, der inzwischen parteilos ist. Die beiden absolvierten mehrere Wahlkampftermine zusammen. Palmer hatte dem Spitzenkandidaten der Grünen im Gegenzug Beratung und Unterstützung angeboten. Zu den Gerüchten über ein mögliches Ministeramt hatte sich Palmer jedoch nie eindeutig geäußert.
Palmer ist enger Freund Özdemirs
Palmer gilt bei den Grünen als sehr umstritten. Er war lange Zeit Mitglied, trat dann aber nach mehreren Skandalen aus. Immer wieder gab es Kritik an seiner als rassistisch empfundenen Wortwahl und politischen Haltung, unter anderem wegen der Benutzung des N-Wortes. Vor allem die Grüne Jugend lehnt ihn ab.
Palmer ist gleichzeitig ein enger Freund von Özdemir. Bei der Hochzeit des 60-Jährigen im Wahlkampf führte Palmer die Trauung durch. Auf die Frage, welche landespolitische Rolle der Tübinger nach der Wahl spielen werde, sagte Özdemir, selbstverständlich werde Palmer für ihn auch eine wichtige Rolle spielen. Noch verteile man aber keine Ämter.
Der Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg hat sich zudem bereits vor längerer Zeit für eine Rückkehr von Palmer zu den Grünen ausgesprochen. Er würde sich wünschen, dass es für Palmer einen Weg zurück in die Partei gebe, sagte Özdemir.
Bei der Landtagswahl hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption mit einer Mehrheit im Landesparlament.