Katherina Reiche kündigt zusätzliche Investitionen in Windkraft an
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Investitionen in den Ausbau der Windkraft in Deutschland angekündigt. "Wir stehen klar zu den Ausbauzielen und geben insbesondere der Windenergie an Land bis 2030 einen zusätzlichen Boost von bis zu zwölf Gigawatt", sagte Reiche in einer Videobotschaft. "Auch damit setzen wir ein wichtiges Signal für unseren Standort, für mehr Resilienz und für ein zukunftsfähiges Energiesystem."
Zugleich warnte die Ministerin, der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse "systemdienlich" erfolgen. "Energie muss dort zugebaut werden, wo sie tatsächlich benötigt wird. Wir dürfen den Verbrauchern und der nächsten Generation keine unnötigen Systemkosten in Milliardenhöhe zumuten", sagte sie. Sie strebe an, den Zubau von Wind- und Solaranlagen besser an den hinterherhinkenden Netzausbau anzupassen und Kosten zu senken. Teure "Abregelungen" sollen vermieden werden.
Kurz zuvor hatte Reiche anders klingende Aussagen getroffen. Bei der Energiekonferenz Ceraweek im US-amerikanischen Houston hatte sie laut dem Nachrichtenportal Politico das Ziel der EU infrage gestellt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Wirtschaftswachstum habe Vorrang, sagte sie demnach. Es müsse akzeptiert werden, dass bis 2050 möglicherweise "noch eine Lücke von etwa fünf oder zehn Prozent" bleiben könne.
Verbände und Länder pochen auf Tempo
Die Windkraftbranche hatte gewarnt, dass die bis 2030 gesetzlich festgelegten Ausbauziele für Windenergie an Land verfehlt werden könnten. Zudem hatten mehrere Bundesländer gefordert, kurzfristig zusätzliche Ausschreibungskapazitäten für Windkraftanlagen zu schaffen, um genehmigte Projekte zügig in die Umsetzung zu bringen. 2025 hatte es einen Rekord bei der Genehmigung neuer Windräder gegeben, die aber noch nicht errichtet worden sind.
Ende 2025 umfasste die in Windrädern installierte Gesamtleistung Branchenverbänden zufolge rund 68 Gigawatt. Damit drohen gesetzliche Ziele in diesem Jahr verfehlt zu werden, denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für 2026 eine installierte Leistung von 84 Gigawatt vor. Im Jahr 2030 soll die installierte Leistung auf 115 Gigawatt steigen.
Schneider bestätigt Abkehr von Atomkraft
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bestätigte die Aussagen von Reiche. Er kündigte ebenfalls einen schnelleren Ausbau der Windenergie an und erteilte einer Rückkehr zur Atomkraft eine klare Absage. Die bis 2030 zusätzlichen zwölf Gigawatt Windkraft an Land würden im Rahmen des neuen Klimaschutzprogramms der Bundesregierung ausgeschrieben, sagte Schneider bei einer SPD-Veranstaltung in Berlin. Das Kabinett werde das Programm am Mittwoch beschließen. Damit soll sichergestellt werden, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht.
Diskussionen über eine angebliche Abkehr vom
Ausbau der erneuerbaren Energien oder eine Hinwendung zur
Kernenergie wies Schneider zurück. "Wollen wir zurück zu Atom?
Das wollen wir nicht", sagte Schneider. "Mit uns wird es das
nicht geben." Auch der Bau kleiner Atomreaktoren sei nicht
geplant. Die Regierung stehe zum Ziel, Deutschland
bis 2045 klimaneutral zu machen. Dies
sei eine gesetzliche und moralische Verpflichtung, um die
Lebensgrundlagen zu erhalten.
Schneider warb für eine verbindende Klimaschutzpolitik, um die Bevölkerung mitzunehmen und Widerstände zu vermeiden. "Polarisierung raus, Vernunft rein, kluge Entscheidungen für das Land", sagte er. Es gehe darum, Ökonomie und Ökologie zu verbinden und die heimische Industrie zu erhalten. Ziel sei es, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu beenden.