Biennale-Jury in Venedig tritt geschlossen zurück
Die Jury der Kunstbiennale von Venedig hat nach Kritik an einer Entscheidung zum Ausschluss von Künstlern aus bestimmten Ländern von der Preisvergabe ihren Rücktritt eingereicht. Alle fünf Mitglieder der Jury traten somit kurz vor Beginn der Ausstellung am 9. Mai zurück. Wie sie in einem kurzen Schreiben mitteilten, geschieht dies »in Anerkennung unserer Absichtserklärung vom 22. April 2026«.
Damit verwies die Jury auf ihre Ankündigung von vergangener Woche, bei der Preisverleihung keine Künstlerinnen und Künstler aus Ländern zu berücksichtigen, deren Staats- oder Regierungschefs vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) beschuldigt werden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verüben. Konkrete Länder nannte die Jury nicht, die Maßnahme zielt jedoch auf Künstler aus Russland und Israel ab: Gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte der IStGH in den vergangenen Jahren Haftbefehle ausgestellt.
Israels und Italiens Außenministerien kritisierten Jury
Die Ankündigung hatte vor allem in Bezug auf Israel schwere Kritik ausgelöst. So warf Israels Außenministerium der Jury »politische Indoktrinierung« vor. Das italienische Kunstministerium erklärte seine Solidarität mit Belu-Simion Fainaru, einem rumänisch-israelischen Künstler, der in diesem Jahr bei der Biennale Israel vertritt und durch die Ankündigung der Jury von der Preisvergabe ausgeschlossen war.
Fainaru warf der Jury vor, ihn vor der Ankündigung seines Ausschlusses von der Preisverleihung nicht kontaktiert zu haben. Als er bei der Ausstellung 2019 für Rumänien dort präsent gewesen sei, habe er ebenso wenig die rumänische Regierung vertreten wie jetzt die Regierung Israels, die keinen Einfluss auf seine Werke habe, sagte er der ZEIT. Zudem beschuldigte er die Jury der Doppelmoral – etwa mit Blick darauf, dass autoritäre Regime wie in China, dem Iran oder Saudi-Arabien nicht von derartigen Ausschlüssen betroffen seien.
Russland erstmals seit Beginn des Ukrainekriegs wieder vertreten
Die Leitung der Biennale hatte sich zu der Juryankündigung neutral verhalten: Die Jury handele »in voller Autonomie und Unabhängigkeit des Urteilsvermögens« und ihre Entscheidung sei ein »natürlicher Ausdruck der Freiheit und Autonomie, deren Garant die Biennale ist«, teilte sie mit. In ihrer Rücktrittserklärung gingen die fünf Jurorinnen und Juroren nicht auf die Leitung der Kunstausstellung ein. Auch ist jetzt vorerst unklar, wer die Preisträgerinnen und Preisträger der Biennale auswählen wird und ob Künstler aus Israel und Russland dabei nun doch berücksichtigt werden.
Kritik an der diesjährigen Biennale gab es schon zuvor, allerdings in Bezug auf Russland: Erstmals seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine Anfang 2022 ist Russland bei der Ausstellung wieder vertreten. Die EU drohte den Verantwortlichen der Kunstbiennale deswegen damit, Zuschüsse in Millionenhöhe zu streichen. Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco wollte sich dem Druck jedoch nicht beugen. Das italienische Kulturministerium untersucht seit Mittwoch, wie es zur Wiederzulassung Russlands gekommen ist.
Israelische Künstlerin boykottierte aus Protest eigenen Pavillon
Im Fokus der Kritik, die letztlich zum Rücktritt der Jury geführt hat, steht jedoch ihre Entscheidung zu Israel. Seit Beginn des Gazakriegs im Oktober 2023 hat es viel öffentlichen Druck auf die Biennale gegeben, Israel komplett von der Ausstellung auszuschließen. Eine Petition mit entsprechenden Forderungen etwa ist von Hunderten Teilnehmern der Biennale unterzeichnet worden.
Die israelische Künstlerin Ruth Patir hatte sich bei der Ausstellung 2024 geweigert, ihren Pavillon zu eröffnen, ehe in Gaza ein Waffenstillstand unterzeichnet sei und die israelischen Geiseln der palästinensischen Terrormiliz Hamas freigelassen würden.