Wadephul gibt sich gelassen: Bundesregierung rechnet mit weniger US-Militärpräsenz in Deutschland
Die Bundesregierung bereitet sich auf einen Abbau der US-Militärpräsenz in Deutschland vor. „Wir sind darauf eingestellt, wir sprechen eng und vertrauensvoll in allen NATO-Gremien darüber und erwarten dazu amerikanische Entscheidungen“, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Donnerstag in Rabat bei einem Besuch in Marokko. Die US-Entscheidungen würden, „wie es sich gehört, unter Alliierten, unter Partnern mit uns und mit anderen besprochen“.
US-Präsident Donald Trump erwägt nach eigenen Angaben eine Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland. „Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland“, erklärte Trump am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social. Eine Entscheidung solle „in Kürze getroffen werden“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor mit Kritik am Iran-Krieg den Unmut Trumps auf sich gezogen.
Eine angekündigte Überprüfung der US-Truppenpräsenz sei „ja ehrlich gesagt gar keine neue Mitteilung, sondern ist schon länger klar und war ja auch schon unter vorherigen US-Präsidenten angekündigt“, sagte Wadephul. Dass sich die USA „mehr auf den pazifischen Raum, mehr auf China konzentrieren“ würden, sei „kein Geheimnis, sondern das wird von verschiedenen amerikanischen Administrationen seit längerer Zeit formuliert“.
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Er sehe einer möglichen Reduzierung der US-Militärpräsenz „mit Gelassenheit entgegen“, betonte der Bundesaußenminister. Die Anstrengungen in Europa, zur Verstärkung der Bundeswehr und zur Verstärkung des europäischen Pfeilers der NATO, würden die Partner der USA „genau deswegen machen, weil wir wissen, dass wir mehr Sicherheitsverantwortung übernehmen müssen“.
Eine Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten werde „die Amerikaner dann in gewisser Weise auch entlasten“, sagte Wadephul. Die großen US-Standorte in Deutschland stünden aber „überhaupt nicht in Frage“. So habe der Luftwaffenstützpunkt in Ramstein „für die USA und für uns jeweils eine unersetzliche Funktion“. Dies gelte auch für das US-Krankenhaus in Landstuhl, den Truppenübungsplatz in Grafenwöhr und das Hauptquartier in Stuttgart.
Auch der Kanzler äußerte sich, ging jedoch nicht direkt auf die Bemerkung Trumps zu einem möglichen Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland ein. Im Rahmen der Nato leiste die Bundeswehr „Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Seite an Seite mit den Bündnispartnern in der gesamten Nato“ eine Arbeit an strategisch wichtigen Standorten in Deutschland, sagte Kanzler Friedrich Merz bei einem Besuch am Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster.
Es sei „ein gutes Zeichen“, dass der kommandierende General der US-Streitkräfte in Europa und Afrika am Dienstag eine gemeinsame Übung in Munster verfolgt habe. „Denn diese Arbeit leisten wir eben Schulter an Schulter zum gegenseitigen Nutzen und in tiefer transatlantischer Verbundenheit“, fügte Merz hinzu.
Söder: Abzug wäre auch nicht im Interesse der USA
CSU-Chef Markus Söder empfahl allen Beteiligten mehr Gelassenheit. „Ich hoffe sehr, dass der US-Präsident weiter im Interesse der eigenen Streitkräfte handelt und die Präsenz in Deutschland stärkt. Mein Wunsch: Wir sollten alle cool bleiben. Die amerikanischen Streitkräfte fühlen sich sehr wohl in Deutschland“, sagte der bayerische Ministerpräsident der „Bild“-Zeitung.
Ein US-Truppenabzug wäre – so Söder weiter – weder im deutschen Interesse noch im Interesse der Vereinigten Staaten. „Deutschland ist ein zentraler strategischer Stützpunkt für die US-Streitkräfte in aller Welt. Mit Grafenwöhr haben wir in Bayern den größten Truppenübungsplatz in ganz Europa. Hier werden auch ukrainische Soldaten trainiert, die sich erfolgreich gegen die russische Übermacht wehren.“
Kiesewetter: Trump-Aussage nicht überbewerten
Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter gab sich ebenfalls gelassen. „Die Aussage von Trump sollten wir nicht überbewerten“, sagte Kiesewetter den Zeitungen der Mediengruppe Bayern nach Angaben vom Donnerstag. „Truppenreduzierungen sind schon länger angekündigt und keine Überraschung. Hauptsache, es erfolgt geordnet und einvernehmlich.“
Prinzipiell seien die US-Truppen hoch willkommen in Deutschland. „Die Freundschaft übersteht auch die gegenwärtigen Irritationen“, betonte Kiesewetter.
Ungeachtet der politischen Differenzen trafen sich hochrangige Militärs beider Länder. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, kam am Mittwoch in Washington mit dem Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Elbridge Colby, zusammen. Thema war die neue deutsche Militärstrategie, die erste außerhalb des Nato-Rahmens seit dem Zweiten Weltkrieg. Colby lobte das Dokument, das den Aufbau der größten konventionellen Streitmacht Europas zum Ziel hat, auf der Plattform X. Er erklärte, es zeige einen „klaren Weg nach vorn“. Trump habe zu Recht gefordert, dass Europa mehr tun müsse und die Nato kein Papiertiger mehr sein dürfe, schrieb Colby weiter.
Breuer sagte vor Journalisten, Colby habe große Wertschätzung für die deutsche Strategie, den Führungsanspruch in der Nato und die damit verbundenen finanziellen Zusagen gezeigt. Hinweise auf einen möglichen US-Truppenabzug habe es in den Gesprächen nicht gegeben.
Nach Daten des US-Verteidigungsministeriums waren im Dezember 2025 gut 68.000 amerikanische Soldaten dauerhaft auf europäischen Stützpunkten stationiert. Mehr als die Hälfte davon, etwa 36.400, befanden sich in Deutschland. Zum Vergleich: Vor dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges 1985 waren es noch 250.000 Soldaten gewesen. AfD-Co-Chef Tino Chrupalla hatte jüngst einen Abzug der US-Soldaten aus Deutschland gefordert. (dpa/Reuters/AFP)