Wie Superreiche die Demokratie zerstören

Während sich in Davos im Januar die Mächtigen der Welt zum Weltwirtschaftsforum versammeln, legt die neue Oxfam-Studie den Finger in eine der offenen Wunden unserer globalen Ordnung. Hinter den wohlfeilen Schlagworten vieler Wirtschaftslenker und Politiker – "Resilienz", "Nachhaltigkeit" und "inklusive Wirtschaft" verbirgt sich eine Realität, die immer grotesker wird: Vermögen konzentriert sich in einem historischen Ausmaß bei wenigen Menschen – und die Politik schaut weg. Dies hat enorme Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft und ist heute eine der größten Bedrohungen für unsere Demokratie.

Die Fakten sind erschütternd. In den vergangenen fünf Jahren – und besonders im letzten Jahr – ist die Vermögensungleichheit weltweit massiv gestiegen. Die zwölf reichsten Menschen der Welt besitzen heute mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Die Vermögen der Milliardäre sind in fünf Jahren um 80 Prozent gewachsen, allein im letzten Jahr um 16 Prozent. Das ist keine normale Marktdynamik mehr, sondern eine strukturelle Schieflage.

Besonders drastisch zeigt sich das am Beispiel Elon Musk: Er verdient laut Oxfam-Studie in vier Sekunden mehr als ein durchschnittlicher Mensch im Jahr. Gleichzeitig hat er sich bei Tesla ein Vergütungspaket ausgehandelt, das ihm perspektivisch fast eine Billion Dollar zusätzlich verschaffen könnte – eine Zahl jenseits menschlicher Vorstellungskraft. Und Musks Äußerungen lassen kaum Zweifel, dass es ihm dabei nicht primär ums Geld geht, sondern um Macht und Kontrolle. Genau hier wird das politische Problem sichtbar.

Auch Deutschland ist kein Hort der Gleichheit. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zeigt seit Jahren: Die reichsten ein Prozent besitzen mehr als 30 Prozent des gesamten Vermögens, während das ärmste Drittel praktisch keine nennenswerten Ersparnisse hat. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Vermögensungleichheit – nicht nur mit viel konzentriertem Reichtum, sondern auch mit viel Armut. Mit knapp einem Drittel aller Menschen lebt hierzulande ein ungewöhnlich großer Teil der Bevölkerung ohne Rücklagen und ist damit abhängig vom Sozialstaat.

Keine Neiddebatte

Oft heißt es: Ist das nicht eine Neiddebatte? Gönnen wir erfolgreichen Menschen ihren Erfolg nicht? Und überhaupt: Gibt es nicht in jeder Gesellschaft Ungleichheit?

Ja, Ungleichheit existiert überall. Und in einem gewissen Maß kann sie sogar echte Leistung und freie Entscheidungen widerspiegeln und somit Anreize setzen. Das Problem ist: Der größte Teil der heutigen Vermögensungleichheit hat wenig mit persönlicher Leistung zu tun. Er beruht immer stärker auf Erbschaften, politischem Einfluss und der Fähigkeit, Wettbewerb zu verzerren und Steuern zu vermeiden. Wir erleben keine Meritokratie, sondern eine Vererbungsgesellschaft mit Tendenzen zur Oligarchisierung.

Hohe Ungleichheit zerstört Solidarität. Sie schafft eine Gesellschaft der Gewinner und Abgehängten. Viele Eltern können ihren Kindern nicht das ermöglichen, was längst als normal gilt – Musikunterricht, Auslandsaufenthalte, Nachhilfe, kulturelle Teilhabe. Damit werden Lebenswege schon früh festgelegt. Polarisierung und Misstrauen wachsen, während das Gefühl gemeinsamer Zugehörigkeit schwindet.