Herausgeber der "Washington Post" tritt zurück
Der Herausgeber und Vorstandschef der US-Zeitung Washington Post hat seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben. "Während meiner Amtszeit mussten schwierige Entscheidungen getroffen werden, um die nachhaltige Zukunft der Post zu sichern, damit sie auch in den kommenden Jahren täglich hochwertige, unparteiische Nachrichten für Millionen von Lesern veröffentlichen kann", schrieb Will Lewis in einer Mitteilung. Es sei "der richtige Zeitpunkt" für ihn gekommen, sich zurückzuziehen.
Die Washington Post hatte diese Woche angekündigt, ein Drittel ihrer Belegschaft zu entlassen. Konkrete Zahlen nannte die Zeitung nicht, US-Medien berichteten von 300 betroffenen Journalistinnen und Journalisten. Im Rahmen der Sparmaßnahmen sollen vor allem in der Sportredaktion, bei den Lokalnachrichten und im Literaturressort sowie in der Auslandsberichterstattung zahlreiche Stellen entfallen.
Gewerkschaft: Rücktritt von Lewis "längst überfällig"
Eigentümer und Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich in einer Stellungnahme in der Washington Post. Der Herausgeberwechsel sei eine "außerordentliche Chance". Die Zeitung habe eine zentrale journalistische Aufgabe. "Jeden Tag geben uns unsere Leser einen Fahrplan zum Erfolg. Die Daten zeigen uns, was wertvoll ist und worauf wir uns konzentrieren sollten." Bezos will laut Chefredakteur Matt Murray als Eigentümer an der Zeitung festhalten.
Die Gewerkschaft der Washington Post äußerte sich erleichtert über den Rücktritt von Lewis. "Sein Vermächtnis wird der versuchte Niedergang einer großen amerikanischen Journalismusinstitution sein", hieß es in einer Mitteilung. Sein Abgang sei "längst überfällig" gewesen. Die Gewerkschaft plädierte an Bezos, die Entlassungen rückgängig zu machen "oder die Zeitung an jemanden zu verkaufen, der bereit ist, in ihre Zukunft zu investieren". Es sei noch nicht zu spät, die Washington Post zu retten.
Die Washington Post gehört zu den wichtigsten Zeitungen der USA und ist mit ihrem Alter von fast 150 Jahren ein Traditionsblatt. Als Ursache der wirtschaftlichen Probleme bei der Zeitung gilt nicht zuletzt der Kurs von Eigentümer Bezos, der die Washington Post 2013 gekauft hatte. Auf Druck des Amazon-Gründers im Vorfeld der Wahl 2024 hatte die Zeitung entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, eine Wahlempfehlung – in dem Fall für die demokratische Kandidatin Kamala Harris – auszusprechen. 200.000 Abonnenten hatten deswegen ihre Verträge gekündigt. Auch der Umbau des Meinungsressorts in der Zeitung, der sich auf persönlichen Wunsch von Bezos künftig auf "persönliche Freiheiten und freie Märkte" konzentrieren soll, sorgte für Kritik.
Kritik am Herausgeber Lewis
Der in Großbritannien geborene Lewis war Ende 2023 zum Herausgeber und CEO der Washington Post ernannt worden. Zuvor war er unter anderem Verleger des Wall Street Journals. Seine Zeit bei der Washington Post war laut Beobachtern von Beginn an holprig verlaufen und von Entlassungen und einem gescheiterten Umstrukturierungsplan geprägt, der im Juni 2024 zum Rücktritt der damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte. Mitarbeiter äußerten Kritik an Lewis und warfen ihm mangelnde Anwesenheit vor. Für besondere Empörung sorgte demnach, dass er auch bei der Ankündigung der Entlassungen diese Woche nicht dabei war.
Finanzchef Jeff D'Onofrio werde die Ämter von Lewis übergangsweise übernehmen, teilte die Zeitung mit.