Ölpreis steigt um weitere 20 Prozent auf mehr als 110 US-Dollar
Der Ölpreis ist angesichts des nicht absehbaren Endes des Irankriegs weiter stark angestiegen. US-Öl der Sorte WTI kostete am späten Sonntagabend rund 20 Prozent mehr als am Freitag und wurde zeitweise mit 111,24 US-Dollar pro Fass (159 Liter) gehandelt.
Die Nordseesorte Brent verteuerte sich in ähnlichem Umfang bis auf 111,14 US-Dollar. Vor dem Beginn des Krieges vor rund einer Woche hatte Brent noch rund 73 US-Dollar gekostet. Damit ist der Preis seitdem um mehr als 50 Prozent gestiegen. Der Ölpreis lag zuletzt vor dreieinhalb Jahren über 100 US-Dollar pro Fass.
Der Krieg der USA und Israels mit dem Iran, der nun in seine zweite Woche geht, betrifft Länder und Regionen, die für die Produktion und den Transport von Öl und Gas aus dem Persischen Golf entscheidend sind. Rund 15 Millionen Barrel Rohöl – etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels – werden nach Angaben der unabhängigen Forschungsfirma Rystad Energy normalerweise täglich durch die Straße von Hormus transportiert.
Irak und Kuwait fahren Ölproduktion zurück
Die Gefahr iranischer Raketen- und Drohnenangriffe hat Tanker weitgehend daran gehindert, die Meerenge zu passieren. Sie grenzt im Norden an den Iran und dient dem Transport von Öl und Gas aus Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran.
Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Ölproduktion reduziert, da die Lagertanks aufgrund der verringerten Exportmöglichkeiten zunehmend gefüllt sind. Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann ist nach Einschätzung des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich.
Iran, Israel und die Vereinigten Staaten haben seit Beginn des Krieges Öl- und Gasanlagen angegriffen, was die Versorgungsängste weiter verschärft. Die USA beteuerten jedoch, die iranische Ölindustrie nicht angreifen zu wollen. "Die USA zielen nicht auf die Energieinfrastruktur ab", sagte Energieminister Chris Wright dem Sender CNN. Zuvor hatte die Bombardierung eines Öllagers durch Israel im Iran für Aufsehen gesorgt, nach der dichte Rauchschwaden den Himmel über der Hauptstadt Teheran verdunkelten. Aufnahmen nach dem Angriff am Samstagabend zeigten einen großen Feuerball.
Israels Armeesprecher Effie Defrin sagte, Israel habe in der Nacht zu Sonntag Treibstofflager angegriffen, die vom iranischen Militär genutzt worden seien. "Dies ist das Öl, das die Räder des Regimes und seine Terroraktionen gegen den Staat Israel, gegen die Region und gegen die gesamte Bevölkerung am Laufen hält", sagte er. Israel kämpfe nicht gegen das "großartige iranische Volk", sondern nur gegen das "Terrorregime", sagte Defrin.
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