Private Banking für Gründer und Nachfolger: Mehr als Neobroker
Sie haben ihr erstes ETF-Depot mit 25 eröffnet, handeln über Neobroker, vergleichen Konditionen in Echtzeit. Die Generation Gründer, Unternehmensnachfolger, High Potentials in Führungspositionen ist digital sozialisiert und gewohnt, Finanzentscheidungen selbst zu treffen. Wozu benötigen die Millennials dann noch eine Privatbank? Daniel Sauerzapf, Co-Head Wealth Management bei Hauck Aufhäuser Lampe, kennt die Antwort: "Ab einem gewissen Punkt wird es komplexer."
Wenn digitale Tools an ihre Grenzen stoßen
"Viele junge Unternehmer nutzen Neobroker für ihre liquiden Investments. Das sind hervorragende Tools für standardisierte Anlageformen", sagt Sauerzapf. Doch wenn Gründer ihr Vermögen weitgehend im eigenen Start-up gebunden haben oder Nachfolger ein mittelständisches Familienunternehmen übernehmen, stellen sich neue Fragen: Wie baue ich systematisch Vermögen außerhalb auf? Wie sichere ich meine Familie ab? Wie strukturiere ich steuerlich optimal?
Besonders beim Exit wird es komplex. Plötzlich haben Unternehmer erhebliche Liquidität, aber völlig neue Fragestellungen: Brauche ich ein Family Office? Eine Familiengesellschaft? Wie binde ich die nächste Generation ein? "Das sind keine Fragen, die ein Neobroker beantworten kann", so Sauerzapf.
Die drei größten Herausforderungen junger Unternehmer
In der Praxis begegnen Sauerzapf drei zentrale Themenfelder: Erstens die Absicherung der Familie für den Ernstfall. Viele Gründer und Nachfolger haben keine saubere Trennung zwischen operativem und privatem Vermögen. Zweitens steuerliche Strukturierungsmöglichkeiten, die erhebliche Summen ausmachen können. Und drittens die Nachfolgeplanung, nicht nur im Unternehmen, sondern vermögensrechtlich.
Die Beispiele sind vielfältig: Eine 39-jährige Dax-Managerin muss Compliance-Restriktionen beachten, hat Aktienoptionen, braucht steuerliche Strukturierung. Ein 42-jähriger Unternehmensnachfolger mit 30 Millionen Euro Firmenvermögen steht vor einer komplexen Nachfolgesituation mit Gesellschafterinteressen, steuerlicher Gestaltung, Führungskultur. "Mit einem internen Spezialistennetzwerk können wir genau diese Themenstellung sehr gut begleiten und lösen", erklärt Sauerzapf.
Eigenverantwortung und Sparring
Was die Next Gen der Unternehmer fundamental von ihren Vorgängern unterscheidet: Sie wollen selbst entscheiden. Millennials stehen für Digitalisierung, Transparenz und Eigenverantwortung. Nur 20 Prozent würden Entscheidungen an eine Vermögensverwaltung delegieren, die anderen 80 Prozent wollen selbst entscheiden.
"Private Banking muss Sparring auf Augenhöhe bieten", sagt Sauerzapf. "Der Kunde muss Optionen verstehen, strategische Alternativen durchspielen und selbst entscheiden können." Gleichzeitig prägt ein Ökosystem-Denken diese Zielgruppe: Community, Sparring und Vernetzung stehen im Vordergrund. Es geht nicht mehr nur um die klassische Berater-Kunden-Beziehung.
Vom Unternehmer zum Investor
Die Begleitung endet nicht bei der unternehmerischen Tätigkeit. Viele erfolgreiche Gründer verkaufen ihr Start-up, Nachfolger veräußern das Familienunternehmen – und suchen eine neue Rolle als Investor. Sie bleiben im Ökosystem aktiv, etwa über Venture Capital, Private Equity, Direktbeteiligungen in Bereichen, die sie kennen.
"Aber das erfordert eine völlig andere Haltung als das operative Geschäft", betont Sauerzapf. Langfristige Portfoliostrategien, Diversifikation, realistische Renditeerwartungen. Private Banking muss diesen Schritt vom Unternehmer zum Investor begleiten können. Das wird möglich durch Zugang zu exklusiven Investmentmöglichkeiten, durch Dealflows, Bewertungskompetenz und vor allem eine ehrliche Meinung anstelle von Zustimmung. Hinzu kommt die Strukturfrage: Wie organisiere ich diese Investments? Über Holdinggesellschaften? Familienstiftungen? Wie binde ich die nächste Generation ein?
Community als Mehrwert
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Netzwerk. Erfolgreiche Gründer und Nachfolger wollen sich mit Gleichgesinnten austauschen über Investments, Strategien, Erfahrungen. "Genau hier setzt unsere ThinkFWD-Initiative an", erklärt Sauerzapf. "Wir verstehen eine Bank als Netzwerk und haben eine lebendige Community geschaffen, in der sich Unternehmer, Investoren und Nachfolger regelmäßig austauschen."
Es geht um Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, neue Geschäftsmodelle. Aber auch um ganz konkrete Investmentchancen und Kooperationsmöglichkeiten. Und was dabei entsteht, geht oft weit über das Geschäftliche hinaus: Neue Ideen werden entwickelt, Kooperationen entstehen, aus Geschäftskontakten werden echte Freundschaften. "Das ist der eigentliche Wert eines solchen Netzwerks", sagt Sauerzapf.
Drei Ratschläge für Gründer und Nachfolger
Was rät er jungen Unternehmern? Erstens: Frühzeitig systematisch Vermögen außerhalb des Unternehmens aufbauen, nicht erst beim Exit. Das gibt Optionen und Sicherheit. Zweitens: Digitale Tools nutzen, wo sie sinnvoll sind, aber Expertise einholen, wo es komplex wird. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein intelligentes Miteinander.
Und drittens: In das eigene Netzwerk investieren. "Die besten Insights kommen oft aus echten Gesprächen mit Gleichgesinnten", so Sauerzapf. "Genau dafür schaffen wir Räume wie ThinkFWD, unsere Next Initiative mit einer Reihe exklusiver Formate. Weil dieser Austausch unbezahlbar ist."
Private Banking für Gründer, Nachfolger und High Potentials bedeutet also: Digitale Tools dort, wo sie Sinn machen. Expertise dort, wo es komplex wird. Und Community dort, wo echte Verbindungen entstehen. Eine Generation, die selbst entscheiden will – aber nicht allein entscheiden muss.