EZB-Leitzins bleibt bei zwei Prozent
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins trotz der jüngst gestiegenen Inflation im Euroraum nicht erhöht. Der Leitzins bleibt damit bei 2,0 Prozent, wie der EZB-Rat ankündigte. Es ist die erste EZB-Zinsentscheidung seit Juni 2024, bei der der Zins nicht gesenkt wird. Beobachterinnen hatten dies angesichts der steigenden Inflationsrate auch nicht erwartet.
Die Inflation war im Euroraum zuletzt auf 3,0 Prozent gestiegen. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, etwa höhere Energiekosten infolge des Anstiegs der Ölpreise.
Zentralbanken wie die EZB steuern ihre Geldpolitik maßgeblich mithilfe des Leitzinses. Dessen Erhöhung gilt dabei als Standardmittel, um die Inflation zu begrenzen, da hohe Leitzinsen Kredite und damit auch Investitionen verteuern. Dies führt zu einem Rückgang der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit langfristig zu sinkenden Preisen.
EZB warnt vor Inflationsrisiko durch anhaltenden Irankrieg
Zwischen 2014 und Juli 2022 lag der EZB-Leitzins zwischen -0,1 und -0,5 Prozentpunkten. Nachdem die Inflation im Euroraum durch die Coronapandemie und die Energiekrise stark gestiegen war, erhöhte die EZB den Zins bis September 2023 in mehreren Schritten bis auf 4,0 Prozent. Ab Juni 2024 reduzierte sie den Leitzins wieder mehrmals in Folge auf schlussendlich 2,0 Prozent.
Sollte die vom Irankrieg ausgelöste Teuerung weiter anhalten, gehen Marktbeobachter davon aus, dass die EZB den Zins wieder erhöhen wird, etwa bei der nächsten Zinsentscheidung im Juni. »Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken«, teilte der EZB-Rat mit.
»Der EZB-Rat wird die Lage genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen Kurses (...) von Sitzung zu Sitzung entscheiden«, teilte das Gremium mit. Die EZB sei »fest entschlossen«, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert. Man sei aber »weiterhin gut gerüstet«, um die aktuellen Unsicherheiten zu bewältigen.
Höherer Leitzins beschränkt Inflation, aber hemmt Wachstum
Eine Erhöhung des Leitzinses zum Kampf gegen die Inflation stellt für Zentralbanken stets ein Dilemma dar: Derselbe Effekt, der die Inflation begrenzt – die durch teure Kredite ausgelöste Hemmung der Nachfrage – hemmt auch das Wirtschaftswachstum und kann dadurch auch den Arbeitsmarkt belasten.
Die Konjunktur im Euroraum ist im ersten Jahresquartal mit einem Plus von 0,1 Prozent nur minimal gestiegen. In Deutschland fiel der Anstieg mit 0,3 Prozent etwas höher aus, blieb aber deutlich unterhalb der Hoffnungen der Bundesregierung vor dem Irankrieg. Zudem geht der Anstieg in Deutschland unter anderem auf die hohe Schuldenaufnahme der Bundesregierung zurück. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen führende Wirtschaftsinstitute mit einem schwachen Plus von 0,6 Prozent.