So kommen Sie gut durchs Winterwetter
Große Teile Deutschlands versinken in Frost und Schnee. Ein neues Sturmtief erreicht Deutschland und zieht erst Sonntag weiter. Von der See bis zu den Alpen stellen sich Menschen darauf ein: Die Veranstalter des Biathlon-Weltcups im thüringischen Oberhof haben die Wettkämpfe vorgezogen. Der Flughafen Frankfurt lagert zusätzliche Enteisungsmittel für Flugzeuge ein. Auf Fehmarn empfahl der Bürgermeister, sich mit Lebensmitteln für mindestens drei Tage einzudecken. So helfen Sie sich und anderen über das Wochenende.
Wie informiert man sich über winterliche Verkehrsbehinderungen?
Eine gute Grundlage ist der Wetterbericht offizieller Dienste wie des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Auf Webseiten und in Apps gibt es Wetterkarten, mit denen Sie die Verbreitung von Schneefällen, Glatteis, Blitzeis und Starkwind in Echtzeit überwachen können. Warn-Apps wie Nina oder KatWarn informieren rasch über bedeutende Gefahren. Auch über Lokal- und Regionalmedien sowie die Social-Media-Kanäle der Polizei erhalten Sie oft schnell Informationen. Auf Ihrem Smartphone können Sie zudem einstellen, dass Rundfunkanstalten, Verkehrsclubs und Straßenbetreiber Ihnen Pushnachrichten senden dürfen.
Wenn Sie arbeiten müssen, bleiben Sie am besten im Homeoffice. Dürfen Sie kein Homeoffice machen, sichten Sie Meldungen über Sperrungen und Staus und planen Sie Ihre Route morgens mit einer Navigationsapp vor. Diese Apps überwachen den Verkehr in Echtzeit und warnen vor Gefahren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sucht Webcams heraus, die Knotenpunkte zeigen. Etwa Pässe, Brücken oder Autobahnkreuze.
Sind Sie unterwegs, schalten Sie das Radio ein. Schlägt die Navigationsapp eine Nebenstraße vor, bleiben Sie besser auf der Hauptstraße; diese Straßen werden vorrangig und verlässlich freigeräumt. Wenn das Wetter plötzlich umschlägt und Sie sich darüber informieren wollen, halten Sie bitte am Straßenrand oder an Rastplätzen. Recherchieren Sie nur im Stand.
Wie kann man frierende Obdachlose unterstützen?
In Deutschland gibt es für obdachlose Menschen sogenannte Notunterkünfte. Hin und wieder sind diese aber überfüllt, unsicher oder ungeeignet. Viele Obdachlose meiden sie aus Angst vor Diebstahl, Gewalt, mangelnder Hygiene oder weil sie Haustiere verbieten. Migranten werden mitunter aus bürokratischen Gründen abgewiesen. Sven Müller, Koordinator des Kältebusses der Malteser in Kiel, gibt vier Tipps für alle, die helfen möchten:
- Suchen Sie das Gespräch: Sitzen oder liegen Menschen in der Kälte, sollte man sie ansprechen. Das gilt vor allem, wenn der Obdachlose allein ist.
- Bieten Sie Hilfe an: Ist der Kontakt hergestellt, fragen Sie, ob und wie Sie helfen können. Vielleicht mit der freundlichen Frage: "Kann ich Ihnen einen heißen Tee oder Kaffee holen?" oder "Haben Sie heute schon etwas Warmes gegessen?" Kennen Sie die Tourzeiten eines Kältebusses oder ähnlicher Angebote vor Ort, teilen Sie diese mit.
- Rufen Sie den Rettungsdienst: Zweifeln Sie daran, dass die obdachlose Person die Situation richtig einschätzt oder beherrscht, informieren Sie den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112. Bleiben Sie an der Seite des oder der Hilfebedürftigen, bis dieser eintrifft.
- Hören Sie zu: Es ist eine nette Geste, sich etwas Zeit zum Zuhören zu nehmen, wenn man merkt, dass jemand reden möchte. Obwohl sie für alle sichtbar im öffentlichen Raum leben, fühlen sich viele Obdachlose unsichtbar, weil Passanten sie ignorieren, etwa aus Furcht, Ekel, Geiz oder Zeitdruck. Der Mensch, der auf der Straße lebt, spürt dann vielleicht eine wohltuende Aufmerksamkeit. Ein Gespräch schärft eventuell auch das Bewusstsein für seine gefährliche Lage bei Frost. Manchmal braucht es kein Geld, sondern nur eine aufrichtige Unterhaltung.
Wie erkennt man Unterkühlungen und Erfrierungen?
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterteilt Unterkühlungen in zwei Stadien. Erstes Stadium: Der Mensch zittert und atmet unruhig. Erkennen Sie die Symptome, rufen Sie den Rettungsdienst und leisten Sie Erste Hilfe. Bringen Sie die unterkühlte Person an einen warmen Ort. Lassen Sie ihn zu Kräften kommen. Führen Sie Wärme dabei nicht aktiv zu, etwa durch Reiben, eine Wärmflasche oder einen warmen Luftstrom. Bei Unterkühlung ist das Blut in den Gliedmaßen extrem kalt; zu rasches Erwärmen treibt es in die Körpermitte. Temperaturunterschiede im Herzen können dann zu Herzrhythmusstörungen oder gar zum Kollaps führen. Getränke dürfen warm sein und Zucker enthalten.
Das zweite Stadium kündigt sich an, indem der Mensch ruhig atmet und seine Muskeln erstarren. Versuchen Sie nicht länger, ihn aufzuwärmen. Decken Sie ihn zu, damit er langsamer Wärme verliert. Bringen Sie ihn in stabile Seitenlage. Atmung und Reflexe funktionieren nicht wie gewohnt. Es kann zu Erbrechen oder dem Sammeln von Speichel kommen. In Seitenlage können diese Flüssigkeiten abfließen. So erstickt der Unterkühlte nicht.
Wer Erfrierungen aufweist, dessen Körper verfärbt sich, wird taub oder zeigt Veränderungen des Gewebes an Fingern, Zehen, Nase, Ohren oder Wangen. Fordern Sie Betroffene auf, ihre Gliedmaßen zu bewegen. Sie selbst rühren die erfrorenen Stellen nicht an. Steif gefrorenes Gewebe ist spröde und brüchig, Bewegungen durch Dritte können Mikrofrakturen, Risse oder Abrisse im Gewebe verursachen. Bedecken Sie erfrorene Körperteile locker mit keimfreiem Material. Auch bei Erfrierungen wärmen Sie den Menschen nicht aktiv. Nur wenn Körperteile nicht hart gefroren sind, sollten sie diese durch Ihre Körperwärme lebendig halten. Unterkühlungen sollten Sie vor Erfrierungen behandeln.
Wie rollt man sich ab, wenn man ausrutscht?
Stürzen Sie auf Glatteis, versuchen Sie die Rolle vorwärts. Dazu rät die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Rollen Sie sich ab, verteilen Sie die Wucht des Sturzes auf Schulter, Rücken und Arme statt auf Kopf, Hüfte und Beine. Das kann die Gesundheit retten oder gar das Leben. Laufen Sie über Glatteis, ziehen Sie auf jeden Fall die Hände aus den Taschen. Fallen Sie und schaffen Sie keine Rolle nach vorn, können Sie den Sturz mit Ihren Händen abfangen.
Um Stürze zu vermeiden, raten Orthopäden und Unfallchirurgen: Gehen Sie wie ein Pinguin. Schieben Sie sich langsam über den Boden, mit kurzen Schritten und auf
ganzer Sohle. Neigen Sie sich leicht nach vorn. Legen Sie den Körperschwerpunkt auf das Bein, das auftritt. Suchen Sie Halt. Haken Sie sich bei
einer Person ein oder tasten Sie sich an Wänden oder Geländern entlang.
Tragen Sie Schuhe mit Profil oder Spikes, setzen Sie Eispickel auf Gehstöcken oder Krücken. Sind Sie nicht trittsicher unterwegs, bleiben Sie bei Glätte möglichst zu Hause.
Wie erkennt man, ob man Eis betreten sollte oder nicht?
Kommunen, die Wasserschutzpolizei, die Feuerwehr und die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnen davor, Eisdecken zu betreten. Die meisten Naturgewässer geben Gemeinden, Bezirksämter und Parkbetreiber grundsätzlich nicht frei. Tun Sie es doch, erfahren Sie das über die Webseiten der Kommunen, in Lokalzeitungen, über Social-Media-Kanäle von Behörden. An manchen Gewässern finden sich entsprechende Flaggen, Aushänge oder Schilder. Wer ohne Freigabe zugefrorenes Wasser betritt, handelt fahrlässig.
Um stehendes Wasser sicher zu betreten, sollte die Eisschicht mindestens 15 Zentimeter dick sein, 20 Zentimeter bei fließendem Wasser. Eisdecken auf Seen, Flüssen, Tümpeln und Weihern sind jedoch schwer einzuschätzen. Selbst mehrere Frosttage garantieren nicht, dass eine Eisdecke trägt. Gewässer, die in Bewegung sind, benötigen besonders lange, bis sie zufrieren. Wenn die Eisdecke knackt oder Risse aufweist, bleiben Sie mit Ihren Füßen auf dem Boden.
Stehen Sie bereits auf einer Eisschicht, achten Sie auf dunkle Stellen. Entdecken Sie welche, ist das Eis deutlich zu dünn. Knackt, knistert oder reißt die Eisdecke, legen Sie sich flach hin und robben Sie zum Ufer, aber nicht ruckartig. Ist die Eisdecke eines Gewässers verschneit oder dessen Ufer bewachsen, seien Sie vorsichtig. Weil Ihre Sicht verstellt ist, können Sie das Eis nicht einschätzen. Tückisch sind Seen, die von Bächen oder Flüssen durchzogen sind. Dort, wo das Wasser dem See zufließt, ist die Eisdecke deutlich dünner als in seiner Mitte.
Wer durch eine Eisdecke bricht, sollte die Arme ausbreiten, um nicht ins Eiswasser zu tauchen. Sehen Sie, wie jemand einbricht, wählen Sie den Notruf. Kriechen Sie zur Einbruchstelle und versuchen Sie, den Betroffenen herauszuziehen. Tun Sie das nicht, erschlaffen dessen Muskeln, sein Körper erlahmt, und er geht im Eiswasser unter. Reichen Sie dem Eingebrochenen aber nicht die Hand, sonst riskieren Sie, selbst im Eiswasser zu landen. Reichen Sie ihm stattdessen einen Anorak, einen Ast oder einen umgedrehten Schlitten. Haben Sie den Menschen ans Ufer geholt, legen Sie ihn flach hin und hüllen Sie ihn in eine warme Decke oder Jacke. Geben Sie ihm keinen Alkohol. Reiben Sie ihn nicht mit Schnee ab. Warmer Tee ist dann selten zur Hand, tut aber gut.
Wie hilft man Haus- und Wildtieren?
Schnee, Eis und Streusplitt tun unseren Haustieren nicht gut. Wer etwa Hunde, Katzen oder Kaninchen hält, sollte sie deshalb pflegen.
Eiskanten, Schneeklumpen oder Split können Hunden die Ballenhornhaut aufreißen oder zwischen ihren Zehen scheuern. Tragen Sie vor Spaziergängen dünn Balsam auf. Danach waschen Sie Schmutz und Streusalz von den Pfoten und trocknen gut ab. Bei langen Spaziergängen helfen Hundeschuhe. Stutzen Sie das Fell an den Pfoten, so verfängt sich kein Schmutz oder Schnee. Halten Sie die Krallen kurz. Achten Sie auf Risse, Schnitte und Entzündungen. Zittert oder winselt ein Hund oder krümmt er seinen Körper, friert er. Dann sollte er rasch ins Warme. Am besten sind mehrere kurze Spaziergänge als ein langer. Es gibt auch Mäntel für Hunde. Dass Hunde Schnee fressen, ist in kleinen Mengen bedenkenlos. Der Schnee muss nur sauber sein.
Katzen, die im Sommer Freigang haben, dürfen auch im Winter ins Freie. Ihr Fell gewinnt rechtzeitig zum Winter an Dichte. Gesunde, gut genährte Katzen kommen mit Kälte meist gut zurecht, solange sie draußen Schutz finden oder nachts nach Hause kommen. Freigängerkatzen sollten draußen einen warmen, trockenen Unterschlupf haben, etwa einen isolierten Schuppen, eine Thermohütte, eine mit Decken ausgelegte Garage oder eine Katzenhöhle. Freigängerkatzen fressen im Winter mehr als üblich, um der Kälte zu trotzen. Schlafen sie im Garten, sollte ihr Bett über der Erde liegen. Der Boden kühlt im Winter aus.
Kaninchen oder Meerschweinchen können Sie mit gutem Gewissen draußen halten. Dafür muss das Kleintiergehege von mindestens zwei Seiten winddicht und isoliert sein, Rückzüge ermöglichen und Verstecke bieten. Im Winter essen Kaninchen oder Meerschweine am besten Kraftfutter.
Wollen Sie Wildtieren helfen, etwa Vögeln oder Eichhörnchen, schenken Sie ihnen eine trockene, saubere und katzensichere Futterstelle. Frost und Schnee erschweren es Wildtieren, Nahrung zu finden. Achten Sie auf artgerechtes Futter. Finden Sie einen Igel, informieren Sie die Wildtierstation oder päppeln Sie ihn auf. Igel halten Winterschlaf; sehen Sie einen, ist er möglicherweise schwach. Halten Sie Ihre Hecken dicht, schneiden Sie Stauden und Beerensträucher nicht zurück, sammeln Sie Laub- und Reisighaufen oder Holzstapel an. So schaffen Sie Rückzugsorte für Vögel, Igel oder Fledermäuse. Waldtiere sollten Sie nicht füttern. Sie kennen strenge Winter, finden Nahrung, senken ihren Stoffwechsel und passen ihr Verhalten an, um Energie zu sparen.
Wie schütze ich mein Smartphone vor Schäden?
Kälte beeinträchtigt Handys deutlich. Bei Minusgraden verlangsamt sich deren Leistung. Der Prozessor stockt, der Touchscreen reagiert verspätet. Und je kälter es ist, desto weniger Energie speichern Akkus. Deshalb sollten Sie Ihr Smartphone im Winter warmhalten. Tragen Sie es in der Hosentasche oder der Innentasche der Jacke, auf jeden Fall am Körper.
Lassen Sie das Handy nicht im Auto liegen. Telefonieren Sie per Kopfhörern oder Headset, damit Sie es nicht aus der Tasche nehmen müssen. Stoßen oder drücken Sie das Smartphone nicht; kaltes Glas ist spröder, der Bildschirm zerspringt bei einem Sturz schneller. Handyhüllen, etwa aus Neopren, schützen Mobiltelefone vor Stürzen, Nässe, Kälte und Schmutz.
Mit Material von AFP, KNA, dpa, epd.