Genie in den Genen: Tragen Sie auch Erbgut von da Vinci?

Leonardo da Vinci war sowohl Künstler als auch Wissenschaftler. Nicht nur malte das Universalgenie Kunstwerke wie die Mona Lisa. Der in der Toskana geborene Sohn eines Notars entwarf auch Bauwerke und entwickelte Maschinen, etwa um zu fliegen. Nun haben Forschende Erbgutreste auf einer Zeichnung da Vincis gefunden, die ihrer Ansicht nach von dem Renaissance-Künstler stammen könnten.

Zwar hatte da Vinci keine Kinder, doch vor etwa einem Jahr identifizierte das „Leonardo-DNA-Projekt“ Nachfahren von da Vincis Familie – seinem Vater und seinem Halbbruder. So bot sich erstmals die Möglichkeit, DNA-Spuren auf Hinterlassenschaften des Genies zu vergleichen und womöglich Leonardo zuzuordnen.

Der Erbonkel

© Gestaltung: Tagesspiegel/Renner/Foto: Nassim Rad

Was wir zum Leben mitbekommen und was wir weitergeben – jedes Wochenende Geschichten rund um Gene und mehr in der „Erbonkel“-Kolumne des Wissenschaftsjournalisten und Genetikers Sascha Karberg.

Allerdings stimmte die DNA der 14 bekannten, heute lebenden Nachfahren nur in wenigen Abschnitten mit dem menschlichen Erbgut überein, das die Forschenden auf der Zeichnung „Heiliges Kind“ aus Leonardos Kindertagen irgendwann zwischen 1471 und 1476 fanden.

Selbst wenn es sich dabei um die DNA da Vincis handeln würde, ließe sich daraus überhaupt die Außergewöhnlichkeit des Universalgenies herauslesen? Wohl kaum. Zwar nehmen Gene, je nach Zwillingsstudien, zu 70 bis 80 Prozent Einfluss auf die Intelligenz, also mehr als Umweltfaktoren wie etwa Bildungsmöglichkeiten. Doch noch immer ist unklar, um welche und wie viele (hunderte, tausende) Gene es sich handelt. Und noch viel weniger, welche Varianten dieser Gene für mehr oder weniger kluge Gedanken sorgen.

Eines jedenfalls ist sicher: Die Kombination an Genvarianten, die im Erbgut Leonardo da Vincis zusammenkam, war einzigartig und wird es so nie wieder geben. Selbst von einem direkten Nachfahren da Vincis wären demzufolge keine besonderen Genialitäten zu erwarten.

Denn nach mittlerweile fast 700 Jahren, etwa 21 Generationen, dürften von Leonardos möglicherweise „genialen“ Genvarianten nicht mehr so viele übrig sein. Im Gegenteil, einige seiner Gene wurden längst in andere Familien getragen und verbreitet. Vielleicht ja sogar in die des Erbonkels? Oder in Ihre?

„Der Erbonkel“ – Geschichten rund um Gene, jedes Wochenende.