Trump, Krieg, Klima: Warum die größte Sicherheitsbedrohung ignoriert wird

Auf der gerade zu Ende gegangenen Münchner Sicherheitskonferenz spielte der Klimawandel bestenfalls eine Nebenrolle. Zwar tauchte der Klimawandel in Debatten als wachsendes Sicherheitsrisiko auf, doch blieb es bei wohlfeilen Warnungen: keine Abschlussresolution, keine verbindlichen Erklärungen, kein politisches Nachspiel.

Passend dazu hatte US-Präsident Donald Trump kurz zuvor mit einem Handstreich die Grundlage für die Reduktion von Treibhausgasen in seinem Land aufgehoben: Am Donnerstag kündigte er an, dass seine Regierung Emissionen künftig nicht mehr als gesundheitsschädlich einstufen werde. Das dürfte kaum absehbare Folgen haben – andere Länder könnten dies als Vorbild nehmen, ähnlich zu handeln.

Sicherheitsakteure der Münchner Konferenz erkannten die Risiken der Klimakrise zwar an und betonten, dass Vorbereitung wichtiger sei als Alarmismus. Tatsächlich ist Panik immer ein schlechter Berater. Wegschauen allerdings auch.

Ein kurzer Aufschrei in den Medien

Aktuell nähern wir uns schneller als erwartet der Grenze von 1,5 Grad des Pariser Klimaziels an. Die Folgen wie Überflutungen, Hitzespitzen, Extremstürme sorgen nur noch für einen kurzen Aufschrei in den Medien, sind dann aber schnell wieder vergessen, wenn sie überhaupt erwähnt wurden.

Jan Kixmüller Jan Kixmüller schreibt und redigiert im Ressort Wissen & Forschen des Tagesspiegels. Er hat Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert und arbeitet seit 2000 als Redakteur für Wissenschaftsjournalismus. Schwerpunkte sind Klimaforschung und Nachhaltigkeit, Umweltthemen, Geowissenschaften, Extremismusforschung und Zeitgeschichte.

Vor wenigen Wochen erst verursachten extreme Niederschläge und Stürme in Spanien und Portugal schwere Überschwemmungen. Es gab Tote, rund 11.000 Menschen mussten evakuiert werden, die Landwirtschaft erlitt durch Erdrutsche erhebliche Schäden, allein der Sturm „Kristin“ verursachte in Portugal geschätzt mehr als vier Milliarden Euro Schaden. In den Medien war dazu nur wenig zu finden.

Extreme Niederschläge und Stürme in Spanien und Portugal verursachten schwere Überschwemmungen: Es gab Tote, Milliardenschäden und rund 11.000 Menschen mussten evakuiert werden.

© IMAGO/ZUMA Press Wire/Francis Gonzalez

Ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel muss bei solchen Ereignissen immer erst nachgewiesen werden. Klar ist jedoch: Bei aktuell bis zu 2,5 Grad Erwärmung in Europa gegenüber der vorindustriellen Zeit enthält die Atmosphäre deutlich mehr Wasser und Energie.

Fällt der Regen dann in eigentlich eher dürregeplagten Regionen, kommt viel zu viel vom Himmel. Mit schnellen Wechseln zwischen Trockenperioden und Überschwemmungen muss nicht nur der Süden, sondern zunehmend auch Deutschland klarkommen.

Klimakrise in Vergessenheit

Zugegeben, die Sicherheitslage in Europa gibt aktuell wenig Raum für alles andere. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist das klassische militärische Bedrohungsszenario wieder die zentrale Sorge. Und während Dauerkrisen von Syrien bis Iran die Politik befassen, gerät der Klimawandel fast vollständig aus dem Blick – als hätte er auf einmal keine Konsequenzen mehr.

Doch die Klimakrise ist längst als Sicherheitsrisiko erkannt. Steigende Temperaturen, höhere Meeresspiegel, Dürren und Überschwemmungen sind bereits heute in vielen Regionen der Welt sicherheitsrelevante Belastungen.

Allen Modellen zufolge werden diese Auswirkungen in Zukunft noch deutlich stärker zunehmen. Ganze Landstriche – selbst Megastädte – könnten durch extreme Hitze oder Überflutungen unbewohnbar werden. Migrationsbewegungen drohen dann die internationale Gemeinschaft zusätzlich vor enorme Herausforderungen stellen.

Destabilisierte Gesellschaften

Bereits 2023 stellte der Deutsche Wetterdienst fest: Extreme Wetterereignisse sind keine Ausreißer mehr, sondern Vorgeschmack auf Klimarisiken für Gesellschaft und Staat. Hitzetote, Ernteeinbußen, knappe Wasserstände – einst „ökologische Folgewirkung“ – sind längst reale Bedrohungen für die Sicherheit.

Dennoch bleibe das politische Handeln zögerlich, was das Risiko einer unterversorgten und instabilen Gesellschaft weiter erhöhe. Ein Beispiel aus Deutschland: Auch im Klimawandel seltener gewordene Kältephasen – wie in diesem Winter – können die Gasreserven in Bedrängnis bringen. Dunkelflauten wie im vergangenen Jahr gefährden zusätzlich die Stromversorgung.

Dass Auswärtiges Amt, Verteidigungsministerium und BND Anfang 2025 den Klimawandel zu den fünf größten externen Sicherheitsbedrohungen für Deutschland zählten – neben Russland, China, Cyberangriffen und Terrorismus –, stieß kaum auf Resonanz.

Doch der Jenaer Soziologe Frank Adloff geht noch weiter: In der Klimakrise sieht er eine reale Gefahr für den Zusammenbruch moderner Gesellschaften. Untergraben durch Klimawandel, Artensterben, Ressourcenverbrauch, ökologische Schocks und soziale Ungleichheit könnten Staaten überfordert werden – mit Verteilungskämpfen, Gewalt und Migrationswellen als Folge.

Nun könnte man sagen: „Don’t panic, der Markt regelt das schon.“ Schließlich sind erneuerbare Energien auch in den USA längst günstiger und langfristig konkurrenzfähig zu Öl und Gas. Doch sich allein darauf zu verlassen, wäre ein Spiel mit dem Feuer. Schon heute, bei knapp unter 1,5 Grad Erwärmung, schlagen die Kosten der Klimakrise gewaltig zu Buche.

Klimaschutz wäre zwar deutlich günstiger als die Folgen der Erderhitzung – das ist seit Langem belegt. Gleichzeitig müssen wir uns aber auf Schäden einstellen, die ab einer bestimmten Erwärmung nicht mehr aufzuhalten sind: Ein möglicher Kollaps im Golfstromsystem, schmelzende Pole, steigende Meeresspiegel, extreme Dürren und Überschwemmungen – Millionen Hitztote drohen.

Wer hier wegschaut, spielt mit der Zukunft ganzer Gesellschaften. Dafür braucht es klare Signale für mehr Resilienz – gerade von prominenten Foren wie der Münchner Sicherheitskonferenz.