„Wir konkurrieren mit den Berliner Unis“: Gründer-Hub aus London will in Berlins Startup-Szene mitmischen

Die London School of Economics siedelt einen Ableger ihres Gründungszentrums „LSE Generate“ in Berlin an. Für das Projekt kooperiert LSE Generate mit dem im März eröffneten Google AI Center, in dem der Tech-Riese mit Forscherinnen und Gründern Innovationen in der Künstlichen Intelligenz voranbringen will.

Das Projekt wird vor allem aus dem Londoner Büro heraus betrieben, das Veranstaltungen in Berlin plant und sich mit dem „Berliner Ökosystem“ vernetzen will – so erklärt es der LSE-Alumni Duke Tam, der seine Rolle als „Botschafter“ des Projekts bezeichnet. Ein richtiges Büro mit festen Stellen werde es zwar nicht geben.

Damit konkurriert die LSE beispielsweise mit den Inkubationsprogrammen der Berliner Unis.

Duke Tam, Vertreter von LSE Generate in Berlin

Der Berlin-Hub der LSE geht dennoch mit großen Ambitionen einher. „Die LSE hat sich ganz bewusst dafür entschieden, in den Standort Berlin zu investieren“, sagt Tam. Es sei ein klares Signal, „Berlin als den zentralen Knotenpunkt für KI und europäisches Entrepreneurship zu besetzen“. Man wolle von der Londoner Uni aus eine „dauerhafte Brücke in die EU“ bauen und dabei „Londoner Spitzenforschung und Berliner Innovationskraft“ verbinden.

Wie hoch die Investition konkret ausfällt, will die LSE auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht angeben. Das Projekt ist laut Tam langfristig angelegt und für die LSE von großer Bedeutung. Man habe sich zudem bewusst gegen Rom oder Amsterdam als Standort und für die deutsche Hauptstadt entschieden.

Konkurrenz zu Gründerzentren der Berliner Unis?

LSE Generate, das nach eigenen Angaben seine Studierenden und Alumnis weltweit beim Gründen unterstützt, will nun in Berlin unter anderem regelmäßig Mentoring, Pitch-Events sowie Förderprogramme für Startup-Gründer:innen anbieten. Zu den Partnern zählten etwa die Hertie School, der Innovations-Hub der Lufthansa und das Humboldt-Forum.

Die Londoner treten auch gegen die Hochschulen der Hauptstadt an: „Damit konkurriert die LSE beispielsweise mit den Inkubationsprogrammen der Berliner Unis“, sagt Tam. Und verweist darauf, dass diese „derzeit leider mit massiven Sparzwängen und Budgetkürzungen kämpfen“.

Sie sollen für das Gründungszentrum der London School of Economics namens LSE Generate, einen Ableger in Berlin aufbauen: Duke Tam (links) und Nils Brestrich.

© privat

Für Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen aus Berlin-Brandenburg wird Transfer immer wichtiger, also Produkte und Patente aus der Forschung heraus zu entwickeln oder Studierende und Alumni zum Gründen zu animieren.

Insbesondere über die neu gegründete Plattform „JUNI“ (zuvor bekannt als „Unite“) sollen mehr wissenschaftsbasierte Innovationen entstehen. JUNI kündigte an, künftig 365 Ausgründungen pro Jahr hervorzubringen. Der Fokus liegt hier auf Deep-Tech, also anspruchsvollen Erfindungen, die technisch komplex sind und deren Umsetzung viel Kapital benötigt.

KI, Fintech und Social Entrepreneurship

Der LSE-Hub in Berlin setzt seinen Schwerpunkt etwas anders. So soll es dort zum einen um KI-Anwendungen gehen, zum anderen um Firmen, die sich Klima-Technologien, Fintech, digitaler Logistik oder sozialem Unternehmertum widmen.

Das Londoner Original wirbt damit, bereits einige „Unicorns“ hervorgebracht zu haben, also Startups, die mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet wurden. Im aktuellen „Financial Times“-Ranking der führenden Hubs liegt LSE Generate auf Platz 26 – angeführt wird das Ranking allerdings vom Gründungszentrum der TU München (UnternehmerTUM). Auch der Hub Science & Startups, der von den drei Berliner Universitäten und der Charité betrieben wird, landete vor den Londoner Kollegen auf Platz 12.

Hier wollen die Konkurrenten aus Großbritannien offenbar aufholen. Unterstützung erhoffen sie sich dabei von Google: Die Gründer und Business Angels um LSE Generate sind gut mit dem Tech-Riesen vernetzt: Sie starten ihr Berlin-Projekt vom hiesigen Google-AI-Center aus und richten mit Google zusammen im Juni eine Konferenz zu „verantwortlicher KI“ aus.

Die London School of Economics ist eine große staatliche Uni für Sozial‑, Wirtschafts‑ und Politikwissenschaften und gehört zur University of London. Sie ist führend in internationalen Rankings und ihrem Ruf als Elite-Uni entsprechend begehrt. Zu ihren Dozenten und Alumni zählen eine Reihe von Nobelpreisträgern. Auch diverse hochrangige Politiker studierten einst an der LSE.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes war eine Unternehmensberatung als Kooperationspartner von LSE Generate in Berlin genannt. Auf deren Bitte haben wir diese Information nachträglich entfernt. Zudem korrigierte sich der Sprecher nachträglich, dass die LSE nicht „massiv“ in Berlin investiere.