Literaturkritiker Denis Scheck reagiert auf Sexismusvorwürfe
Der Literaturkritiker Denis Scheck steht nach zwei kontroversen Buchbesprechungen im Fernsehen in der Kritik: Mit harschen Worten hatte er die neu erschienenen Bücher der Autorinnen Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy kritisiert. Er bezeichnete die Neuerscheinungen als »Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins« und als »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit«. Die Autorinnen warfen Scheck daraufhin Sexismus und Verachtung von Frauen vor.
Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. »Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen«, sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. »Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu.«
Weiter wollte sich Scheck nicht auf die Vorwürfe einlassen. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa sagte der 61-Jährige, seine Besprechungen gelten »den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern«. Scheck übernimmt zum vierten Mal die künstlerische Leitung des Literaturfestivals LIT:potsdam, das vom 30. Juni bis 5. Juli in Potsdam läuft. Für den Vorstand der LIT:potsdam sagte die Vorsitzende Marianne Ludes: »Wir als Vorstand stehen hundertprozentig hinter Denis Scheck.«
ARD und PEN verteidigen Denis Scheck
Auch die ARD, in deren Programm die Sendung Druckfrisch von Denis Scheck ausgestrahlt wird, wehrte sich gegen die Kritik an ihrem Moderator. Die Autorenvereinigung PEN Berlin schrieb in einer Pressemitteilung: »Wenn Autorinnen und Autoren (…) die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.« Bücher würden von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung leben.
PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel sagte laut der Mitteilung der Vereinigung: »Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen. Darum hoffen wir sehr, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen.«