Till Brönner ist der König des Smooth Jazz: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen

Gewissensfrage am Samstagabend: Sanfter Italo-Jazz oder knüppelharter Metal aus der Stahlmetropole Essen? Für die anderen Tage haben wir eine Schlagerlegende auf Abschiedstour, einen geläuterten Deutschrocker, eine Ikone des Indierock und das coolste DJ-Duo der Neunziger für Sie ausgesucht.

1 Howard Carpendale

Ich und mein Ford Capri: Der junge Howard Carpendale.

© Universal

Gern erführe man mehr über seine „erfolglosen Versuche als Beat-Sänger und Elvis-Presley-Imitator“ (Wikipedia) in seiner Heimat Südafrika oder sein Wirken als Sportskanone in den Disziplinen Kugelstoßen, Rugby und Autorennen.

Andererseits ist Howard Carpendales sagenhafte Schlagerkarriere auch ohne biografische Kuriositäten spektakulär genug. Dank Evergreens wie „Deine Spuren im Sand“ (1975), „Ti amo“ (1977) oder „Hello Again“ (1984) wurde aus dem Jungspund, der stolz seinen Ford Capri vor Plattenbauten präsentiert, einer der beständigsten Popstars der alten Bundesrepublik.

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Im neuen Jahrtausend ließ er es alters- und gesundheitssbedingt etwas ruhiger angehen, blieb aber eine feste Größe im deutschen Showgeschäft. Dass mit 80 Jahren nun „Meine Abschiedstournee“ ansteht, sei Howie von Herzen gegönnt.

Uber Arena

Uber Platz 1, Friedrichshain, Do 16.4., 20 Uhr, ab 72 Euro

2 Jan Plewka

Rio II.? Nach den Erfolgen mit Selig ist Sänger Jan Plewka solo unterwegs.

© Sven Sindt

Als Sänger von Selig war Jan Plewka in den Neunzigern ein Posterboy der deutschen Rockmusik.

In den Schaffenspausen von Selig fand der Schleswig-Holsteiner Muße für Nebenprojekte (Zinoba), Gastauftritte (Keimzeit) und vor allem eine beachtliche Solokarriere, in der er sich als kongenialer Interpret des Oeuvres von Rio Reiser hervortat.

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Seine jüngste Platte „Eine Art Soloalbum“ zeigt den 55-Jährigen in Bestform, wenn er sich an einer Songwriter-Variante deutscher Romantik versucht und dabei musikalisch Räume zwischen Element Of Crime und Erdmöbel erkundet.

Lido

Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Fr 17.4., 20 Uhr, 33 Euro

3 Till Brönner

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Till Brönner spielt die Lieder seiner Kindheit.

© Stef Zinsbacher/Joel Heyd

Sein 20. Album war ein Herzensprojekt für Till Brönner. Auf den 14 Stücken von „Italia“ begibt sich Deutschlands erfolgreichster Jazzmusiker auf eine Zeitreise in die goldene Ära der italienischen Pop- und Filmmusik.

Brönners Italophilie ist biografisch bedingt, verbrachte er doch einen Teil seiner Kindheit in Rom, wo seine Eltern an einer deutschen Schule unterrichteten.

Wahrscheinlich hat der 1971 geborene Trompetenvirtuose damals auch „Viva La Felicità“ gehört, Franco Godis hinreißende Titelmelodie der Zeichentrickserie „Herr Rossi sucht das Glück“. Brönner verwandelt das Stück in einen lässig groovenden Bossa Nova mit geschmeidigem Trompetensolo und samtigem Crooner-Gesang.

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Für stimmlich anspruchsvollere Stücke hat Brönner namhafte Gäste wie Giovanni Zarrella („Quando, Quando, Quando“) und Chiara Civello („Parole Parole“) eingeladen.

Neben Gassenhauern von Paolo Conte oder Lucio Battisti hat Brönner auch Stücke weniger bekannter Komponisten wie Umberto Bindi oder Bruno Martino aufgenommen und mit Produzent Nicola Conte in geschmackvolle Jazz-Arrangements gekleidet.

Tempodrom

Möckernstr. 10, Kreuzberg, Sa 18.4., 20 Uhr, ab 50 Euro

4 Kreator

Harte Kerle GmbH: Die Essener Thrash-Metal-Band Kreator.

© Robert Eikelpoth

Scorpions, Accept, Helloween – alles schön und laut. Aber unter Experten für knüppelharte Klänge ist es eigentlich Konsens, dass die beste Metal-Band deutschen Fabrikats aus der Stahlmetropole Essen kommt und Kreator heißt.

Seit über 40 Jahren rifft sich Kreator-Mastermind Mille Petrozza (Foto, 2. v. l.) mit seinen im Laufe der Zeit mehrfach durchrotierten Helfershelfern Seele und Fingerkuppen wund und muss dabei sogar international kaum Konkurrenz befürchten.

Und auch wenn Petrozza einer der friedliebendsten Menschen dieses Planeten sein dürfte, heißt das 16. Kreator-Album genregerecht Krushers of the World und rockt alles zu Brei, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Uber Eats Music Hall

Uber Platz 2, Friedrichshain, Sa 18.4., 18:20 Uhr, ab 78 Euro

5 Kim Gordon

Queen of Cool: Indierock-Ikone Kim Gordon.

© Moni Haworth

Als 2011 parallel zu ihrer Ehe mit Thurston Moore auch die Indierock-Institution Sonic Youth nach 30 Jahren zerbrach, hätte Kim Gordon ihren Status als Underground-Legende ausschlachten und eine Solokarriere lancieren können.

Sie hätte ein paar Musiker oder besser Musikerinnen anheuern und beispielsweise als Kim Gordon Experience mit dem patentierten Sonic-Youth-Sound die Nostalgiewelle reiten können.

Doch Kim Gordon hatte andere Pläne. Sie malte Bilder und hatte Ausstellungen in London, New York und Los Angeles. Sie übernahm Rollen in Serien und Kinofilmen und veröffentlichte 2015 ihre Memoiren unter dem vielsagenden Titel „Girl in a Band“. Thurston Moore kam darin nicht gut weg.

Natürlich gab es auch neue Musik von Kim Gordon, experimentelles Zeug, das sie mit dem Noise-Gitarristen Bill Nace unter dem Projektnamen Body/Head weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit herausbrachte.

Erst 2019 erschien eine Platte unter ihrem eigenen Namen: Doch „No Home Record“ killte die Hoffnungen alter Fans, Kim Gordon könne ein Interesse daran haben, stilistisch oder inhaltlich an alte Sonic-Youth-Zeiten anzuschließen.

Stattdessen streifte sie beherzt die Persona als coole Underground-Ikone ab und ersetzte sie durch eine höchst zeitgemäße Brüchigkeit, in der sich ihre bewegte Biografie widerspiegelt.

Mit schreddernden Industrial-Grooves und Splittergitarren waren Songs wie „Air BnB“ oder „Earthquake“ nah am Noiserock, dabei aber verwandter mit Nine Inch Nails oder White Stripes als mit Sonic Youth.

Zu knirschenden Hip-Hop-Beats und Gitarrengeschleife wurde ihr Gesang auf dem Folgealbum „The Collective“ (2024) noch spröder, und gerade dadurch trendsetzend. Zwei Grammy-Nominierungen waren der verdiente Lohn für diesen Wagemut.

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Der setzt sich mit dem neuen Album „Play Me“ fort, auf dem Gordon angriffslustig und abgeklärt klingt. Zum dritten Mal gemeinsam mit Produzent Justin Raisen (Charli XCX, Santigold), dampft sie ihre Songs zu giftspritzenden Zeitgeisthymnen ein.

Im Jahr 2026 wirkt Kim Gordon, die am 28. April 73 wird, so relevant und politisch wie nie zuvor. Oder, wie ein Kommentator unter dem Video von „Play Me“ schreibt: „Ich kann nur hoffen, halb so cool wie Kim Gordon zu sein, wenn ich in meinen Siebzigern bin.“

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 108, Neukölln, So 19.4., 20 Uhr, 40 Euro

6 Kruder & Dorfmeister

Keiner groovt feiner: Das Wiener DJ-Duo Kruder & Dorfmeister.

© Max Parovsky

Dieses Album gehörte eine Zeitlang zur akustischen Grundausstattung jeder Kaffee- oder Cocktailbar: Mit ihrem 1996 erschienenen Sampler der „DJ-Kicks“-Reihe gelang dem Wiener DJ- und Produzentenduo Kruder & Dorfmeister ein Klassiker der Neunziger.

Ihr supergeschmeidiger Mix zeitgenössischer Electronica setzte (selten erreichte) Standards für Myriaden von Chill-out-CDs.

Als Remixer von Acts wie Depeche Mode oder Bomb The Bass waren Peter Kruder und Richard Dorfmeister damals Topverdiener der Branche. Zum 30. Jubiläum präsentieren die beiden Endfünfziger die luxuriöse Vinyl-Neuauflage ihrer „DJ-Kicks“ live.

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 108, Neukölln, Mi 22.4., 20 Uhr, 59 Euro