Die Ravermeister: Tame Impala machen uns Beine: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen
Für alle, die es lieber etwas ruhiger angehen lassen, haben wir noch im Angebot: geschmeidigen Elektropop aus Hamburg, einen Beinahe-Superstar aus Los Angeles, einen singenden Brachialermittler, ein fleißiges Deutschrap-Duo und coolen Postpunk aus der Strokes-Nachfolge.
1 Hundreds
© J. Konrad Schmidt (BFF Professional)
Im internationalen Pop-Business gilt „Made in Germany“ – von Ausnahmen wie Kraftwerk oder Rammstein abgesehen – nicht unbedingt als Qualitätssiegel.
Insofern ist die These nicht ganz abwegig, dass die Band Hundreds, käme sie nicht aus Hamburg, sondern aus Manchester oder Stockholm, mehr Beachtung jenseits des deutschen Kulturraums gefunden hätte.
Schließlich formuliert das Geschwisterduo Eva und Philipp Milner mit Schlagzeuger Florian Wienczny seit 15 Jahren einen wettbewerbsfähigen Elektropop-Entwurf, der sich hinter Goldfrapp oder Fever Ray nicht verstecken muss.
Auch das sechste Album „Sirens“ überzeugt wieder mit subtil groovenden Synth-Pop-Kleinodien, die sich unaufhaltsam in die Gehörgänge schleichen.
Columbia Theater
Columbiadamm 9-11, Tempelhof, Sa 25.4., 20 Uhr, 45 Euro

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2 Miguel
© IMAGO / Depositphotos
Man muss sich um Miguel keine Sorgen machen. 2026 ist der kalifornische Sänger und Gitarrist auf Tournee, etliche Termine sind ausverkauft.
Allerdings sind die Konzertlocations – in den USA wurden 5000er-Hallen gebucht, in Europa welche für 1500 bis 3500 Zuschauer – nicht ganz so gewaltig, wie man das vor gut zehn Jahren vielleicht prognostiziert hätte.
Damals war Miguel Jontel Pimentel, wie der gebürtige Angeleno vollständig heißt, das aufregendste R’n’B-Gesamtkunstwerk der Gegenwart. Ein Musiker von herausragender Genialität, dem man ernsthaft die Nachfolge der seit den Neunzigern vakanten Superstar-Stelle von Michael Jackson und Prince zugetraut hatte.
Miguels zweites Album „Kaleidoscope Dream“ brachte 2012 den Durchbruch. Hits wie „How Many Drinks?“ oder das Grammy-prämierte „Adorn“ gehörten in die Playlist jedes geschmackssicheren Black-Music-Fans.
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Es ist gar nicht so, dass in Miguels Karriere viel schiefgegangen wäre. Nur hat sich der 40-Jährige, darin Prince gar nicht unähnlich, sukzessive in einen künstlerischen Elfenbeinturm zurückgezogen und somit nachrückenden R’n’B-Stars wie The Weeknd oder Frank Ocean die ganz große Bühne überlassen.
Huxleys Neue Welt
Hasenheide 108, Neukölln, So 26.4., 20 Uhr, 63 Euro
3 Kiefer Sutherland
© Graham Finney/Cover-Images/imago
Dass es Kiefer Sutherland 2021 nicht in die „45 Famous Actors You Forgot Were Also Musicians“ der „Cosmopolitan“ geschafft hat, ist nur mit nachlässiger Recherche zu erklären.
Denn Sutherland, dessen bekannteste Rolle der Brachialermittler Jack Bauer in der Echtzeit-Thrillerserie „24“ war, ist keineswegs ein Gelegenheitsmusiker wie manche seiner Kolleg:innen aus obiger Liste.
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Vielmehr hat der Sohn von Kinolegende Donald Sutherland seit 2016 drei Alben veröffentlicht, auf denen er sich als ernst zu nehmender Americana-Sänger präsentiert. Ende Mai folgt Nummer vier, „Grey“, dessen Songs der 59-Jährige live vorstellt.
Metropol
Nollendorfplatz 5, Schöneberg, So 26.4., 20 Uhr, 51 Euro
4 Tame Impala
© Sony Music
Im Oscar-nominierten Kinodrama „Sirāt“ zieht es eine Gruppe Techno-Hippies auf der Suche nach dem nächsten (illegalen) Rave immer tiefer ins marokkanische Atlasgebirge.
Die hypnotisch wummernde Musik zum surrealen Leinwandtrip kommt von dem französischen DJ Kangding Ray. Sie hätte aber auch vom letzten Album von Tame Impala stammen können, dem Ein-Mann-Bandprojekt des Australiers Kevin Parker.
Dessen Titel, „Deadbeat“, passt zur nihilistischen Atmosphäre von „Sirāt“, er verweist aber auch auf die Subkultur der „Bush Doofs“, wie in Australien Raves im Outback bezeichnet werden.
Das minimalistische, Dancefloor-orientierte Klangbild des Doppelalbums kommt bei vielen Fans von Tame Impala nicht besonders gut an. Schließlich standen deren Platten doch immer im Zeichen eines „weiter hinaus“ über die Grenzen des bis dato Bekannten.
Genial verbanden Tame Impala psychedelische Labyrinthik, krautrockige Motorikbeats und das Erbe des 90er-Gitarrenrocks zu einem irisierenden Amalgam. Sie wurden damit die ersten Psych-Rock-Superstars des neuen Jahrtausends.
Wenn nun „Ausverkauf“-Rufe laut werden, ist das zwar ein Standardvorwurf. Im Falle von Parker aber nicht gänzlich abwegig, hat er doch 2024 die Rechte an seinem gesamten Songkatalog an den Branchenriesen Sony verkauft.
Zusammenhänge mit der musikalischen Entwicklung zu konstruieren, wäre indes reine Spekulation, hat sich Kevin Parker doch in knapp 20 Tame-Impala-Jahren von Erwartungen nie manipulieren lassen.
Auch „Deadbeat“ steht quer zum zeitgenössischen Mainstream. Eine sanfte Evolution des 2020er-Albums „The Slow Rush“, auf dem Parker mit einen Hybrid aus Softpop und Disco lancierte, würde sich heute wohl besser verkaufen als sturer Techno-Rigorismus.
Und obwohl die psychedelischen Klangfarben ausgeblichen wirken und die Melodien matter glänzen als zuvor, ist die schiere Wucht der siebenminütigen Techno-Banger „Ethereal Connection“ und „End of Summer“ überwältigend.
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Die Bassdrum peitscht so unwiderstehlich nach vorn, wie man es vor gut 30 Jahren von Raverock-Titanen wie Underworld („Born Slippy“) oder Faithless („Insomnia“) kannte.
Eine umstrittene, missverstandene Platte kann an der Größe von Tame Impala ohnehin nichts ändern. Kevin Parker ist ein Star – und wird es noch lange bleiben.
Uber Arena
Uber-Platz 1, Friedrichshain, Mi 29.4., 19:30 Uhr, ab 80 Euro
5 Aymen & Amo
© Philipp Gladsome
Selbst wenn man die Zurschaustellung materialistischer Werte und die Verherrlichung des Kleingangsterlebens in Texten und Videos wegen ihrer möglichen Vorbildfunktion bedenklich findet, kommt man nicht umhin, Aymen & Amo Respekt zu zollen.
Schon der schiere Umfang ihres Outputs – dutzende Singles und das gemeinsame Album „Aymo“ in den letzten zwölf Monaten – des Deutschrap-Duos ist beachtlich, die konstant hohe Qualität außergewöhnlich.
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Die Raps haben Flow und Melodie, die Sounds und Beats internationales Niveau. Nach der ausverkauften Club-Tour treten Aymen Saadaoui und Umut Altun, wie Aymen und Amo bürgerlich heißen, nun in großen Hallen auf.
Velodrom
Paul-Heyse-Str. 26, Prenzlauer Berg, Mi 29.4., 20 Uhr, ab 70 Euro
6 The Sophs
© Eric Daniels
Auf ihrem Debütalbum „Goldstar“ channeln The Sophs kompetent die elektrisierende Wucht spätjuveniler Befindlichkeitshymnen vom „Smells Like Teen Spirit“-Kaliber.
Dazu hat das kalifornische Postpunk-Sextett mit Ethan Ramons einen Sänger, der wie das Missing Link zwischen Julian Casablancas (The Strokes) und Thomas Mars (Phoenix) wirkt, zwei der charismatischsten Frontmänner der letzten Indie-Heldengeneration.
Kein Wunder, dass Rough-Trade-CEO Geoff Travis die Band für sein Label unter Vertrag nahm.
Lark
Holzmarktstr. 15-18, Friedrichshain, Mi 29.4., 20 Uhr, 25 Euro