Nach öffentlichen NS-Parolen: AfD will Parteiausschluss von Jugend-Funktionär Kevin Dorow
Die AfD-Parteispitze legt sich mit dem eigenen Jugendverband Generation Deutschland (GD) an. Der Bundesvorstand hat laut einer Recherche des „Politico“-Podcasts „Inside AfD“ am Montagabend beschlossen, beim Landesschiedsgericht der AfD Schleswig-Holstein einen Parteiausschluss von Kevin Dorow zu beantragen. Dorow ist Beisitzer im Bundesvorstand der GD sowie Beisitzer im Landesvorstand der Partei in Schleswig-Holstein. Demnach wurde der Beschluss mit lediglich einer Enthaltung und ohne Gegenstimme gefasst.
Dem 27-Jährigen werden unter anderem Äußerungen mit Anspielungen auf den Nationalsozialismus vorgeworfen. Bei der Gründungsversammlung der GD im November 2025 sagte Dorow: „Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden! Dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“
Der Ausspruch war von der Hitlerjugend aus der Bündischen Jugend zu Zeiten der Weimarer Republik übernommen und zu einem zentralen Leitsatz gemacht worden. AfD-Chefin Alice Weidel, die an der Sitzung des Bundesvorstands am Montagabend nicht teilnahm, hatte Dorow noch im Dezember 2025 für die Verwendung der Parole verteidigt.
Die AfD-Spitze wirft Dorow mehrere weitere Äußerungen vor. „Und wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu“, hatte Dorow im November 2025 bei einer Veranstaltung zum Volkstrauertag auf einem Friedhof in Schleswig-Holstein gesagt. Die SS hatte die Zeile als Treueschwur genutzt, entnommen aus einem Gedicht von Max von Schenkendorf aus dem Jahr 1814.
Die öffentliche Verwendung von Parolen oder Grußformen nationalsozialistischer Organisationen ist in Deutschland verboten. Das Strafgesetzbuch sieht in Paragraf 86a eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren vor.
Dorow verteidigt seine Aussagen
Dorow sagte dem „Politico“-Podcast „Inside AfD“, erst durch die Anfrage von den konkreten Vorwürfen erfahren zu haben. „Sollte ein entsprechendes Verfahren tatsächlich eingeleitet worden sein, werde ich mich selbstverständlich vor den zuständigen Schiedsgerichten dagegen zur Wehr setzen und meine Positionen dort darlegen.“ Eine offizielle Begründung des Bundesvorstands liege ihm bislang nicht vor.
„Die in diesem Zusammenhang genannten Zitate werden historisch verkürzt dargestellt. Weder ‚Wenn alle untreu werden‘ noch ‚Jugend muss durch Jugend geführt werden‘ stammen aus der von Ihnen genannten Epoche“, sagte Dorow weiter. „Beide Formulierungen existieren unabhängig davon und lassen sich nicht pauschal auf diese Epoche reduzieren.“
Der Bundesvorsitzende der Generation Deutschland, der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm, sagte dem Podcast „Inside AfD“: „Ich halte die Entscheidung in der Sache für falsch. Zugleich ist es mein Anspruch, diese Angelegenheit – offenbar im Unterschied zu einzelnen Mitgliedern des AfD-Bundesvorstands – intern zu klären.“ (tsp)