Sudan-Konferenz: Milliardenhilfe und Forderung nach Waffenstillstand
Die dritte internationale Sudan-Konferenz endete mit einem klaren Signal. Vertreterinnen und Vertreter aus 61 Staaten sagten in Berlin rund 1,5 Milliarden Euro für das kriegsgeplagte Land zu. Die Mittel sollen vor allem den humanitären Organisationen zugutekommen, die vor Ort Hilfe leisten. Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe um mehr als 230 Millionen Euro auf und gehört damit zu den größten Gebern.
„Wir müssen den Menschen im Sudan sowie den humanitären Organisationen vor Ort und weltweit zur Seite stehen, die unermüdlich und unter extrem schwierigen Bedingungen daran arbeiten, ihnen zu helfen“, bekräftigte Außenminister Johann Wadephul. Die Bundesregierung richtete die Konferenz gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA, der EU und der Afrikanischen Union aus – nach vorherigen Treffen in Paris und London. In Paris hatte es Hilfszusagen von etwa zwei Milliarden Euro und in London von etwa einer Milliarde Euro gegeben.
„Laboratorium des Grauens“
Die Vereinten Nationen bezeichnen die aktuelle Lage in Sudan als die „schlimmste humanitäre Krise der Welt“. Seit genau drei Jahren kämpfen die sudanesischen Streitkräfte gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Als die Stadt El Fasher im vergangenen Oktober nach 18 Monaten Belagerung in die Hände der RSF fiel, zeigten Satellitenbilder riesige Blutlachen und Leichenberge. „Dieser Albtraum muss enden", forderte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft an die Teilnehmenden der Konferenz. Tom Fletcher, Leiter des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), sprach von einem „Laboratorium des Grauens“.
Zwei Drittel der Bevölkerung Sudans sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, elf Millionen Menschen auf der Flucht, zwölf Millionen Frauen und Kinder erfahren sexualisierte Gewalt. Drohnen terrorisieren die Zivilbevölkerung – allein seit Jahresbeginn dokumentierten die Vereinten Nationen 700 Tote.
Zustrom von Waffen aus dem Ausland
In dieser Lage politischen Druck aufzubauen, bleibt schwierig – zumal externe Waffenlieferungen den Konflikt am Leben halten. Als Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, im Januar das Land besuchte, sah er ausschließlich Waffensysteme auf modernstem Stand. „In Sudan gibt es zurzeit keine Waffen, die dort produziert werden. Das wissen wir“, so Türk. Ein essenzieller Schritt in Richtung Frieden sei deshalb ein Waffenembargo. Tom Fletcher verwies auf die vielen „Menschen, die aus der Luft von Drohnen getötet werden – Drohnen, die von internationalen Akteuren geliefert werden“. Die Bevölkerung sei frustriert, wütend und verzweifelt.
Forderung nach humanitärem Waffenstillstand
Neben dem Waffenembargo stand eine weitere Forderung im Zentrum der Konferenz. Die Menschen bräuchten dringend eine Pause von den Kämpfen, um sich zumindest mit dem Nötigsten zu versorgen. Das könne nur ein humanitärer Waffenstillstand leisten. Bereits im QUAD-Statement vom 12. September 2025 hatten die Außenminister der USA, der VAE, Saudi-Arabiens und Ägyptens einen solchen vorgeschlagen. Die RSF stimmte dem Vorschlag damals zu – die sudanesische Armee lehnte jedoch ab; der Waffenstillstand trat nie in Kraft. Einen solchen brauche man jetzt dringender denn je, sagte Massad Boulos, US-Sondergesandter für arabische und afrikanische Angelegenheiten, in Berlin. „Nur so können wir den ungehinderten Zustrom humanitärer Hilfe in Städte und Provinzen ermöglichen.“
Die Zivilbevölkerung einbinden
Mehrere Hilfsorganisationen forderten auf der Konferenz, die sudanesische Zivilbevölkerung stärker einzubinden. Die Konferenz bot rund 40 Vertreterinnen und Vertretern lokaler Organisationen eine Plattform zum Austausch. „Es ist sehr wichtig, dass genau dorthin möglichst viele Mittel fließen“, sagte Damjan Vinko, Referent bei der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC). „Diese Hilfskräfte agieren als sogenannte First Responder direkt an der Front und sind bedauerlicherweise immer öfter selbst Ziel von Angriffen.“ NRC ist in rund 40 Ländern weltweit aktiv und stellt Notunterkünfte, Wasserversorgung, Sanitäranlagen und Nahrungsmittel bereit.
Alain Délétroz, Direktor der Schweizer NGO Geneva Call, hofft auf den politischen Einfluss des Gastgebers Deutschland. „Ich weiß, dass sich die deutsche Regierung massiv für einen Waffenstillstand einsetzt. Das wäre für uns natürlich ideal. Im Augenblick hat jede der Konfliktparteien viele Gründe, unsere humanitäre Hilfe nicht zu den Menschen kommen zu lassen, die sie dringend brauchen. Das müssen wir schnell ändern. Und ich glaube, dass Deutschland hier eine starke Stimme hat.“