Acht Tote im Libanon trotz Waffenruhe
Trotz der Verlängerung der Feuerpause für den Libanon haben Israel und die Hisbollah am Freitag ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Die israelische Armee teilte mit, sie habe sechs Hisbollah-Kämpfer bei einem Schusswechsel im südlibanesischen Dorf Bint Dschbeil getötet. In dem Dorf Deir Aames griff die Armee nach eigenen Angaben Hisbollah-Stellungen an, aus denen am Vortag Raketen auf Schtula im Norden Israels abgefeuert worden seien. Zuvor hatte die israelische Armee die Bevölkerung zum Verlassen ihrer Häuser aufgerufen.
Bei einem weiteren Angriff in der Nähe der Ortschaft Tulin im Süden des Libanon wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums zwei Menschen getötet. Eine israelische Drohne wurde nach Angaben der israelischen Armee von der Hisbollah im Süden des Libanon abgeschossen.
Die vom Iran unterstützte Miliz gab ihrerseits bekannt, »zur Verteidigung des Libanon« Raketen auf den Norden Israels abgefeuert zu haben. Der Hisbollah-Abgeordnete Mohammed Raad rief die libanesische Regierung dazu auf, sich aus den direkten Gesprächen mit Israel zurückzuziehen. Die Regierung in Beirut solle sich für die »Verhandlungen mit dem zionistischen Feind schämen«, teilte der Hisbollah-Fraktionschef mit.
Beide Länder sollen einen dauerhaften Friedensvertrag aushandeln
US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social eine Verlängerung der Waffenruhe für den Libanon um drei Wochen bekanntgegeben – sie wäre eigentlich am Sonntag ausgelaufen. Während dieser Zeit sollen Israel und die libanesische Regierung einen dauerhaften Friedensvertrag aushandeln. Die beiden Länder unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.
Die USA hatten die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel vermittelt. Zuletzt hatte es eine zweite Verhandlungsrunde auf Botschafterebene in den USA gegeben, an der unter anderem auch US-Außenminister Marco Rubio teilnahm. Nach dem Treffen sagte der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, beide Parteien seien sich darin einig, »das Land von diesem bösartigen Einfluss namens Hisbollah« zu befreien.
Hisbollah sieht keinen Sinn in Waffenruhe
Trump kündigte danach zudem ein Dreiertreffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu »in den kommenden Wochen« in Washington an. Er sehe »sehr gute Chancen« für ein Friedensabkommen noch in diesem Jahr, sagte er.
Ein Hisbollah-Parlamentarier stellte klar, dass sich die Miliz auch während der Feuerpause weitere Angriffe auf Ziele in Israel vorbehalte. Im Fall israelischer »Aggressionen« werde die Miliz antworten, sagte der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fajad. Angesichts der anhaltenden »feindseligen Handlungen« Israels mache eine Waffenruhe ohnehin »keinen Sinn«, betonte er.
Netanjahu spricht von historischem Friedensprozess
Netanjahu sagte hingegen: »Wir haben einen Prozess gestartet, um einen historischen Frieden zwischen Israel und dem Libanon zu erreichen.« Er fügte hinzu: »Uns ist bewusst, dass die Hisbollah versucht, dies zu sabotieren.«
Kurz nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran Ende Februar hatte die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel wieder verstärkt. Israel flog danach umfangreiche Luftangriffe auf Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei den israelischen Angriffen wurden den libanesischen Behörden zufolge seitdem mehr als 2.400 Menschen getötet.
Neun Tote bei israelischen Angriffen in Gaza
Auch im Gazastreifen gab es trotz der seit Oktober bestehenden Waffenruhe israelische Angriffe. Am Freitag wurden nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens neun Menschen getötet. Allein bei einem Luftangriff auf ein Polizeifahrzeug in der Stadt Khan Junis im Süden des Palästinensergebiets seien fünf Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden, teilte der Zivilschutz mit.
Bei Artilleriebeschuss auf Wohnhäuser in der Nähe des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Norden des Gazastreifens wurden den Angaben zufolge zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Ein weiterer israelischer Angriff traf laut Zivilschutz eine Polizeipatrouille in der Stadt Gaza, dabei wurden demnach zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt.
Das Al-Schifa-Krankenhaus und das Nasser-Krankenhaus in Gaza bestätigten die Todesfälle. Die israelische Armee gab auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme ab.
Trotz der Waffenruhe gibt es immer wieder Angriffe und Gewalt. Israel und die Hamas werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mindestens 792 Palästinenser getötet. Die israelische Armee meldete in demselben Zeitraum fünf getötete Soldaten.